Engelskirchen NachrichtenNaturschutz

Diesjähriger Erdüberlastungstag bereits am 28. Juli

Was wir zum Ressourcenschutz beitragen können

Engelskirchen In diesem Jahr ist bereits am 28. Juli der Erdüberlastungstag erreicht. Jedes Jahr berechnet die internationale Nachhaltigkeitsorganisation Global Footprint Network das Datum des „Earth Overshoot Days“. Er soll uns daran erinnern, wie wichtig Lösungen zum Schutz unserer endlichen, natürlichen Ressourcen für unsere Erde sind. Derzeit entnimmt die Menschheit der Erde 74 Prozent mehr natürliche Ressourcen, als innerhalb eines Jahres regeneriert werden können. Hierzu müssten uns 1,74 Erden zur Verfügung stehen – wir haben aber nur eine.

Es zeigt sich immer deutlicher, dass das aktuelle System aus Produktion und Konsum auf Dauer die Bewohnbarkeit unseres Planeten verhindern wird. Der Bergische Abfallwirtschaftsverband arbeitet insbesondere mit dem Projekt :metabolon an den erforderlichen Lösungen dieser Zukunftsfragen. Dabei ist ganz klar, dass jeder und jede von uns ein wichtiges Glied in der Handlungskette darstellt.

„Wir müssen uns dringend noch mehr mit dem Erhalt unserer lebenswerten Welt speziell auch für die nachfolgenden Generationen auseinandersetzten. Nichts Geringeres bewegte und bewegt unser Handeln. Die Grenzen unseres zerbrechlichen Lebenssystems sind ausgereizt und dies nicht nur im Hinblick auf die Ausbeutung unserer natürlichen Rohstoffe. Ressourceneffizienz und nachhaltiges Handeln liegen nah beieinander und können gerade im Sinne einer zukunftsweisenden, zirkulären Kreislaufwirtschaft dazu beitragen, die großen Herausforderungen vor denen wir unmittelbar stehen, zu bewältigen“, beschreibt Monika Lichtinghagen-Wirths, Geschäftsführerin des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands und Projektleitung :metabolon die Motivation.

:metabolon – Stoffumwandlung in der zukünftigen Kreislaufwirtschaft

Im Projekt :metabolon arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft und die Akteure im Bereich der Wissensvermittlung sehr konkret und praxisorientiert miteinander. Das :metabolon-Institut, das gemeinschaftlich von BAV und der TH Köln betrieben wird, widmet sich den umfangreichen Fragestellungen rund um das Thema „vom Reststoff zum Rohstoff“. Stoffliche und energetische Nutzung von vermeintlichen Abfällen aus Industrie, Gewerbe und dem privaten Bereich werden hier beforscht. Dies erfolgt nicht nur im Labor sondern zieht sich über technische Anlagen im halbindustriellen Standard hin zu einer praktischen Anwendung und Erprobung in Großanlagen. Ein beispielhafter Prozess ist die thermochemische Aufbereitung von Abfällen oder die energie- und rohstoffschonende Aufbereitung verschiedenartiger Prozesswässer. Wichtig ist hierbei, eine höchstmögliche Kreislaufführung von Roh- und Reststoffen zu erzielen.

Vom Forschen ins Handeln

Die in der Forschung erzielten Ergebnisse können in den Unternehmen der Region eingesetzt werden und leisten somit einen Beitrag zur zirkulären Wertschöpfung. Damit die umfassende und erforderliche Umstellung der Linear- zur Zirkularwirtschaft erfolgen kann, muss die gesamte Gesellschaft mitgenommen werden. Hierfür dienen die zahlreichen Wissenstransferangebote im Projekt :metabolon. Vom Kindergartenkind entlang der gesamten Bildungskette und darüber hinaus werden Informationsangebote und Fortbildungen am authentischen Lernort sowie einschlägige Studiengänge der TH-Köln angeboten.

Nächster Schritt – die Bergische Ressourcenschmiede

Der weitere Ausbau der Aktivitäten am Standort :metabolon auf der Leppe-Deponie in Lindlar wird im Regionale 2025-Projekt „Bergische Ressourcenschmiede“ verfolgt. So wird u.A. die Aufbereitung von Baumischabfällen – eine der größten Abfallfraktionen überhaupt – eine Rolle in der angewandten Forschung spielen. Um die Ergebnisse in die Produktionsprozesse der Region zu bringen, entsteht ein Netzwerk von Unternehmen, welches sich dem Gedanken der zirkulären Wertschöpfung verschrieben hat.

Ganz praktisch: Alle machen mit – „Zero Waste Club BAV“

„Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht“ – das ist das Motto der zahlreichen Aktivitäten der BAV-Abfallberatung, die sich unter der Marke „Zero Waste Club BAV“ versammeln.

Auch ganz praktisch im alltäglichen Leben können wir dazu beitragen, die Umwelt zu entlasten. Oberste Priorität hat es, Abfall zu vermeiden und wenn er schon entstehen muss, ihn richtig zu trennen und zu entsorgen, damit er durch die richtige Verwertung dem Stoffkreislauf wieder zugeführt werden kann. Hierzu gibt es zahlreiche Aktionen, Informationsangebote und online-Formate.

Ziel der Abfallberatung ist es, die Menschen auf allen Kanälen zu erreichen. So können sich alle miteinbringen – beispielsweise bei den Kampagnen zur Wilden Müllsammlung, der Vermeidung von Mikroplastik in der Umwelt oder dem Bergischen Tauschrausch auf den BAV-Wertstoffhöfen, um nur einige wenige zu nennen. Hierbei sollen die Menschen dazu bewegt werden, sensibel mit den endlichen Rohstoffen umzugehen und die Produkte in denen sie verarbeitet werden nicht einfach als schnelllebige Konsumgüter zu betrachten, sondern als Wertstoffträger. Fachgerecht entsorgt erhalten sie entweder ein zweites Leben oder werden so lange wie möglich im Kreislauf geführt.

„Unser Engagement und unsere Aktivitäten stellen wir am 18. September 2022 am Tag der offenen Türe vor und freuen uns auf alle, die sich zum Projektstandort :metabolon auf den Weg machen. Es geht nur gemeinsam und wir hoffen, Motor und Motivator sein zu können für den notwendigen Transformationsprozess. Damit rücken wir dem Ziel einer weiterhin lebenswerten Welt ein großes Stück näher“, möchte Monika Lichtinghagen-Wirths zum Mitwirken anregen.

Fakten zum Erdüberlastungstag

Quelle: Global Footprint Network

  • Um alles zu erneuern, was die Menschheit derzeit von der Natur fordert, bräuchte es die Biokapazität von 1,75
  • 60 % des weltweiten Fußabdrucks sind CO2-Emissionen. Wollen wir einen unkontrollierten Klimawandel vermeiden, sollte dieser Anteil vor 2050 auf null reduziert werden, ohne dass andere Teile des Fußabdrucks zunehmen
  • 3 Milliarden Menschen leben in Ländern, die weniger Nahrungsmittel produzieren, als sie verbrauchen, und außerdem ein geringeres Einkommen erzielen als der Weltdurchschnitt, und damit auf dem Weltmarkt die Differenz kaum ersteigern können
  • Allein die Ernährung beansprucht heute 55 % der Biokapazität unseres Planeten, also mehr als die Hälfte der Erde
  • 5,8 Milliarden Menschen, d. h. 72 % der Weltbevölkerung, leben in einem Land, das ein Biokapazitätsdefizit aufweist und weniger Einkommen erwirtschaftet als der Weltdurchschnitt
  • In diesem Jahr liegen zwischen dem Earth Overshoot Day und dem Ende des Jahres noch 156 Tage
  • Der seit 50 Jahren anhaltende Overshoot bedeutet, dass sich die jährlichen Defizite zu einer ökologischen Schuld aufbauen. Die Summe der jährlichen Defizite ist bisher schon auf eine „Schuld“ von 19 Jahre an Regenerationskapazität unseres Planeten angestiegen. Daher erleben wir ökologische Degradation und Akkumulation von Treibhausgasen in unserer Atmosphäre
  • Wenn die Menschheit den Earth Overshoot Day jedes Jahr um 6 Tage hinauszögert, wird die Menschheit vor 2050 weniger als einen Planeten benötigen. Noch besser: das vom IPCC vorgeschlagene 1,5 C°-Szenario kann erreicht werden, wenn wir das Datum jedes Jahr um 10 Tage verschieben
  • Es gibt viele Möglichkeiten, den Overshoot zu verkleinern. Sie sind wirtschaftlich positiv. Unternehmungen, deren Produkte auch noch helfen, den Overshoot zu verringern, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit an Wert gewinnen, als die, die zum Overshoot beitragen

Quelle: Bergischer Abfallwirtschaftsverband

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Oberberg-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion in Bergneustadt. Sie ist per Mail [email protected] für unsere Leser erreichbar.

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