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mach Grün!-Workcamp: „Klima-Dinner“ in der Halle 32

Oberberg – Eine Woche voller Anstrengungen und Erlebnisse im mach Grün!-Herbstferien-Workcamp „Your Green Event“ gipfelt in einer Aufführung in der Halle 32 in Gummersbach. Sketche und Filmclips auf der Bühne wechseln sich mit dem Servieren von besonderen Speisen und Getränken im Publikum ab.

Dieses sogenannte „Klima-Dinner“ sowie das gesamte mach Grün!-Workcamp mit 9 Mädchen und 7 Jungen zwischen 14 und 19 Jahren stehen in der ersten Herbstferienwoche ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit beim Thema „Event und Ernährung“. „Dies hat uns sofort zur Halle 32 geführt, denn deren Management fühlt sich ausdrücklich der Nachhaltigkeit verpflichtet“, sagte Leni Mauelshagen (VSB gGmbH) bei ihrer Begrüßung.

„Klima-Dinner“-Theater – viel Raum für Ideen, Kreativität und Handwerk

„Ihr habt alle Talent!“, motivierten Christine Bretz und Stefan Weiß, beide erfahrene Theaterpädagogen, die Jugendlichen, die vor der Aufführung unter Lampenfieber litten. Sie hatten Sketche entworfen und eingeübt, in denen Elise, Marie und Turky sowie Moritz, Ahmad, Lukas und Ron das in Szene setzten, was sie auf Exkursionen, beim Arbeiten und bei den Expertengesprächen im Laufe des Workcamps erlebt hatten.

Ein besonderer Hingucker für die eingeladenen Eltern ist der außergewöhnliche Kronleuchter. Den hatten Mirco, Medina und Christina mit Hilfe von Michael Thielen (VSB) und Malte Schmidthals (IZT) aus alten Fahrradfelgen gebaut, mit gehämmerten Gabeln, Löffeln und anderen Küchenutensilien behangen und mit Paula und Jovan die Beleuchtung zum Teil selbst gelötet. „Upcycling“ im Eventbereich ist nämlich schwer im Kommen, wie die leuchtenden „Highlight-Cubes“ aus alten Flüssigkeitstanks beweisen, die die Szenerie in bunte Farben tauchten. Konstantin Held und David Olbrisch hatten ihr Start-Up vorgestellt und spontan 2 Cubes ausgeliehen.

Für das „Dinner“ zauberte die Küchencrew unter der Leitung von Miriam Hardt (VSB) und Carolin Gordner (ZebiO) Speisen und Getränke aus „geretteten“ oder regionalen und saisonalen Lebensmitteln auf die Tische der Gäste. Yola und Marinela betonten, dass sie für den „Bergischen Brotsalat“ altes Brot geröstet hatten. Und für die „Reisbratlinge mit Dipp“ hatten Lisa und Christine jede Menge Möhren, Rote Beete und andere Wurzelgemüse der Saison geschnippelt. „Klein, aber total lecker“ fanden sie die Äpfel einer alten Sorte, die sie von einer Streuobstwiese besorgt hatten, und verwandelten sie in köstlichen „Apfelschnee mit Crumble.“

Vor jedem neuen Sketch musste zudem kräftig in die Pedale des mach Grün!-„Smoothie-Bike“, Marke Eigenbau, getreten werden, um den Gästen leckere Smoothies aus überreifem Obst zu kredenzen.

In dem eingespielten „Werbefilm“-Clip über selbstgepressten „Bergisch Saft“, den Katrin Ludwig (IZT Berlin) mit zwei Workcampern geschnitten hatte, war die Apfelsaftpressaktion auf der Biologischen Station Oberberg festgehalten, an der alle Jugendlichen teilgenommen hatten. Als „Drink“ wurde der Saft vor allem an die jüngeren Geschwister verteilt, die mit ihren Eltern im Publikum saßen.

Aufregende Tage, viele Erfahrungen und gute Kontakte

Wer gedacht hatte, mach Grün! oder „in Grün machen“ sei so etwas Ähnliches wie „blau machen“, irrte sich gewaltig. Eine Woche lang, vom 12. – 16.10.2020, übernachteten die 14- bis 19Jährigen in der Jugendherberge Wiehl und arbeiteten an der Aufführung des „Klima-Dinners“. Aber nicht nur, denn für „Input“, Erlebnis und Spaß sorgten auch das „Fischerspiel“ und der „Klimatarier-Rechner“ der Dozenten vom IZT Berlin zum bewusst machen der eigenen Essgewohnheiten, die Wanderung zur Apfelsaftpressaktion bei Schloss Homburg, das Bogenschießen im Wald und der „Menschenkicker“ auf dem Jugendherbergsgelände.

Im Rampenlicht des Workcamps standen die Berufe rund um Event und Ernährung, wobei die Hauptrollen an diejenigen gegangen waren, die von oberbergischen Unternehmer*innen nachhaltig und grün ausgeübt werden. Ideale Ziele für Exkursionen und interessante Gäste für „Lagerfeuergespräch“-Interviews, die Carolin Gordner von ZebiO ausgewählt hatte.

In Gummistiefeln ging’s auf den Klosterhof in Bünghausen, wo Biobauer Peter Schmidt seine Kühe, Schafe und Hühner mit Namen vorstellte und für den Beruf des Landwirts warb. Dass Bauernhoftiere irgendwann geschlachtet werden, wollte anfangs niemand gern hören. Wenn man seine Tiere so sehr mag wie Schmidt, kommt Massentierhaltung und Viehtransport zum Schlachthof sowieso nicht in Frage. Seine Rinder werden hier geschlachtet und ihr Fleisch ab Hof verkauft, genauso wie die Eier seiner freilaufenden Hühner.

Regional ist Kult, nützt dem Tierwohl und dient dem Anspruch auf Nachhaltigkeit. Das bestätigte beim abendlichen „Lagerfeuergespräch“ Metzgermeister Andreas Schmidt von „Bergisch Beef“ und erzählte den jungen Menschen von seiner Ausbildung zum Metzger. Wer will schon, dass Schlachttiere tagelang durchs Land transportiert und in Großschlachtereien fürchterlichem Stress ausgesetzt werden, wenn man auch das Fleisch von Tieren aus der Umgebung kaufen und in der örtlichen Metzgerei verkaufen kann? Diesen regionalen Ansatz setzt er in seinen Start-Ups „Bergisch Beef“ und „Bergisch Pork“ in Much in die Tat um.

Wie viel Spaß und Leidenschaft die Ausübung eines Lebensmittelhandwerks bereitet, zeigte sich auf der Exkursion zur Brotmanufaktur Kraus in Wiehl-Bomig. „Diese noch unfertigen Brotlaibe hier hatten heute Nacht viel Zeit zu gehen und sind für euch. Wenn ihr sie mit Saaten verziert habt, brauchen sie nur 20 min zu backen.“ Raphael Kraus führte die Jugendlichen freudestrahlend durch seine große Backstube und teilte lebhaft sein umfangreiches Wissen über Backvorgänge und das Bäckerhandwerk mit. „Das riecht so gut hier und man lernt was Neues“, fand Elisabeth und vollzog rasch den Schnitt mit dem Messer durch einen Brotlaib, damit die Kruste im Ofen kontrolliert aufspringen kann.

Trinkbares aus der Region, das gibt es natürlich auch. In der Obstsaftkelterei Weber in Lindscheid werden gerade die Äpfel und Birnen der oberbergischen Streuobstwiesen angeliefert, in den technischen Anlagen ausgepresst und erhitzt und vor allem als Saft in „Weber“-Flaschen abgefüllt. Lecker – und käuflich zu erwerben, wenn man den Eltern was vom Workcamp mitbringen will.

Apfelsaft selbst pressen, ganz ohne Strom und ohne technische Anlagen – das ermöglicht die Biologische Station Oberberg am Schloss Homburg. mach Grün! machte sich auf die Wanderschaft und entdeckte unterwegs die ein oder andere Streuobstwiese. Dass Obstbäume inmitten der Viehweiden nicht nur wegen ihrer ungespritzten Bio-Früchte wertvoll sind, erklärten die beiden Mitarbeiterinnen von der „Bergischen Agentur für Kulturlandschaft“. Die Bäume, oftmals die letzten Vertreter alter Obstsorten, sind Schattenspender für die größeren Tiere und Lebensraum für die kleinen, wie Insekten, Bestäuber und Vögel, und prägen das idyllische Aussehen unserer bäuerlichen Kulturlandschaft. Gut für die Diversität in unserer Umwelt und deshalb absolut erhaltenswert. Im „Roten Haus“ geht’s dann für alle an die Arbeit: Gesammelte Äpfel von Hand zerkleinern, in die Obstpresse füllen, mit viel Muskelkraft den Hebel an der Presse drehen und – fertig ist der Apfelsaft. Besonders lecker, weil selbst gepresst!

Außer Obstbäumen wächst noch mehr Unbeachtetes am Wiesenrand und inspirierte die gelernte Floristin Astrid Saubert zu der Idee eines „Kräutercafé“ in Waldbröl-Geilenkausen. Im Interview mit den Camp-Jugendlichen erzählt sie gern von ihrer Weiterbildung zur Kräuterpädagogin und wie sie ihr neues Wissen für ihre ungewöhnliche Geschäftsidee nutzt. In einer ehemaligen Dorfkneipe bewirtet sie Wanderer und Ausflügler und macht zum Erstaunen ihres Publikums mit ihren selbstgemachten Kräuterpestos, -chutneys und anderem Haltbaren auch in Corona-Zeiten ihr Geschäft.

Bevor es in der Halle 32 zur Sache geht, wird nach Berufen im Eventbereich gefragt. Henning Richter und die Veranstaltungstechniker der Halle 32 zeigen, worauf es backstage ankommt, damit Ton und Licht bei den verschiedensten Aufführungen stimmen. Und das geht auch nachhaltig, indem man z.B. so viele Energieeinsparmöglichkeiten nutzt, wie möglich, und bewusst den Stromanbieter auswählt, auf eine gute Dämmung achtet und intelligent das Raumklima reguliert, und, und, und.

Fazit: Wer vor dem Workcamp noch keine Ahnung davon hatte, wie interessant und vielfältig die Berufswelt im Bereich Event und Ernährung ist, was man dort arbeitet und ob in diesen Berufen Nachhaltigkeit eine Rolle spielt, der hatte auf dem Weg zur Aufführung des „Klima-Dinners“ einiges dazu gelernt.

mach Grün!-Workcamp – seit 2016 im Oberbergischen

Die mach Grün!-Workcamps, seit 2016 vom Bundesumweltministerium und dem Europäischen Sozialfonds gefördert, werden im Oberbergischen von VSB gGmbH und ZebiO e.V. kostenlos angeboten, dieses Mal mit viel Input und Unterstützung durch IZT Berlin. „Wir verbinden Berufsorientierung mit Umweltbildung zum Thema „Greening der Berufe“ auf erlebnis- und praxisorientierte Weise“, erklären Leni Mauelshagen (VSB), Carolin Gordner (ZebiO) und Malte Schmidthals (IZT). Wenn z.B. Lebensmittel angebaut, hergestellt, vermarktet, verbraucht oder als Reste verwertet werden müssen – geht das auch „nachhaltig“ und „anders“? Wie sieht „bio“, „regional“ und „saisonal“ im oberbergischen Lebensmittelhandwerk aus, wie verändern sie die Berufe? Finden Jugendliche diese Berufe dann attraktiver? Das Workcamp „Your Green Event“ wurde zusätzlich von der Deutschen Postcode Lotterie unterstützt.

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