Landtagswahl 2022Politik in Oberberg

Direktkandidaten im Interview: Dominik Trautmann (FDP)

Landtagswahl NRW 2022

Oberberg – Die Oberberg-Nachrichten.de-Redaktion hat zur diesjährigen Landtagswahl erneut die Kandidatinnen und Kandidaten für Wahlkreis 1 (Gummersbach, Hückeswagen, Lindlar, Marienheide, Wipperfürth) und 2 (Bergneustadt, Engelskirchen, Morsbach, Nümbrecht, Reichshof, Waldbröl, Wiehl) befragt. Von 13 zur Wahl stehenden Kandidatinnen und Kandidaten bestätigten 12 ihre Kontaktdaten (Ausnahme: Peter Wittfeld für dieBasis); letztendlich geantwortet haben innerhalb der zweiwöchigen Frist drei der zur Wahl Stehenden. Die Konditionen und den Fragebogen, die gemeinsam versandt wurden, können Sie auch hier einsehen.

Dominik Trautmann (FDP) steht in Bergneustadt, Engelskirchen, Morsbach, Nümbrecht, Reichshof, Waldbröl und Wiehl zur Wahl. Lesen Sie hier, wie er sich geäußert hat zu:

1. Kurzvorstellung
2. Persönliche politische Schwerpunkte
3. Katastrophenschutz
4. Extremismus
5. Fachkräftemangel
6. Bildung
7. Immobilienpreise
8. Umweltschutz
9. Ergänzungen

(1) Kurzvorstellung

Würden Sie sich zunächst einmal kurz vorstellen? (Name, Alter, Beruf und politische Zugehörigkeit und Erfahrungen)

Mein Name ist Dominik Trautmann, ich bin 40 Jahre alt und wohne in der Gemeinde Nümbrecht. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder im Alter von 6 und 5 Jahren. Ich bin Berufssoldat und Diplom Ingenieur für Elektrotechnik (FH). Als Stabsoffizier bin ich aktuell als Sachgebietsleiter und Referent des Chief Information Security Officer der Bundeswehr beim Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn eingesetzt.
Ich trete für die FDP im Wahlkreis 24 (Oberberg Süd) an.

(2) Persönliche politische Schwerpunkte

Wo sehen Sie Ihre persönlichen politischen Schwerpunkte? (Kurz und knapp)

Meine persönlichen Schwerpunkte sehe ich in den 3 folgenden Bereichen:
1. Digitalisierung
2. Bildung
3. Förderung der ländlichen Gebiete

(3) Katastrophenschutz

Die Frage nach Katastrophenschutz betrifft nicht nur Rückhalteflächen und Ähnliches im Falle eines Hochwassers, sondern geht auch über Internetsicherheit von Behörden bis hin zu Bunkern. In welchen Bereichen sehen Sie Handlungsbedarf in der Landespolitik?

Wie sollte ein optimaler politischer Umgang mit Katastrophen wie der Flutkatastrophe 2021 aussehen?

Welche Mittel und Methoden sehen Sie auf landespolitischer Ebene, mit Versorgungsengpässen und der Angst vor Versorgungsengpässen (Stichwort: Hamsterkäufe) umzugehen?

Umweltkatastrophen wie Hochwasserfluten oder großflächige Waldbrände werden auch in Zukunft nicht ausbleiben. Aber auch Szenarien, in denen gefährliche biologische, radioaktive oder chemische Stoffe freigesetzt werden sowie Angriffe auf kritische Infrastrukturen müssen im Katastrophenschutz künftig verstärkt mitgedacht werden. Daher ist es erforderlich den Katastrophenschutz umfassend und interdisziplinär anzulegen. Das kann nur funktionieren, wenn Schutzziele konkret vorgegeben und mögliche Szenarien regelmäßig durchgespielt und trainiert werden. Der Ausbau geländegängiger Fahrzeugflotten, die Verbesserung der Frühwarnung der Bevölkerung, die Entwicklung digitaler Echtzeit-Lagebilder sowie die Stärkung der Fortbildung auf diverse mögliche Katastrophenfälle haben daher hohe Priorität.

(4) Extremismus

Wo sehen Sie die größere Gefahr: Im Links- oder im Rechtsextremismus? Wie sollte dagegen vorgegangen werden?

Grundsatz muss sein, dass alle Bürgerinnen und Bürger in unserem Land friedlich, frei und ohne Angst leben können. Die Freien Demokraten treten daher jeder Form von Extremismus, Terrorismus, menschenverachtendem Gedankengut und politisch motivierter Gewalt entschieden entgegen.

Das 2018 verschärfte Polizeigesetz wurde schon damals scharf kritisiert, unter anderem durch Amnesty International, weil die Entwürfe “an mehreren Stellen gegen Menschenrechte und Rechtsstaatsprinzipien” verstoßen würden. Nun titeln mehrere Medien, dass hauptsächlich Klimaaktivistinnen und -aktivisten in sogenannten “Langzeitgewahrsam” genommen wurden. In welchen Bereichen sehen Sie einen Bedarf, die Gesetzgebung hinsichtlich der Polizei abzuändern?

Das Polizeigesetz NRW ist ein zeitgemäßes Update, es stärkt den Rechtsstaat und wahrt Bürgerrechte. Ein präventives Vorgehen gegen potenzielle Gewalttäter und häusliche Gewalt wäre vor dieser Gesetzesänderung nicht möglich gewesen. Mit dem modernisierten Polizeigesetz wurde die Grundlage für die passgenaue Ausstattung der Polizei mit zeitgemäßen und rechtssicheren Instrumenten im Kampf gegen Terror und Kriminalität und für den entschiedenen Schutz von Bürgerrechten geschaffen. Die Freien Demokraten haben sich im Gesetzgebungsverfahren insbesondere für eine Balance mit Bürgerrechten eingesetzt und in diesem Sinne innerhalb der Koalition auch auf Änderungen gedrungen.

(5) Fachkräftemangel

Fachkräftemangel beherrscht nicht nur das Handwerk, Industrie und Pflege, sondern auch Kindertagesstätten, Schulen und weitere Bereiche. Wo sehen Sie besonderen Handlungsbedarf? Wie könnte diesem Mangel entgegengewirkt werden?

Zur Gewinnung von dringend benötigten Fachkräften setzen wir vor allem auf die duale Ausbildung. Die Berufliche Bildung bietet hervorragende Abschlüsse, attraktive Berufe sowie sehr gute Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Wir benötigen flexiblere Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten in der beruflichen Bildung. So wollen wir u.a. die Möglichkeiten einer Teilzeit-Ausbildung ausweiten. Wir wollen die Weiterentwicklung zu Fachkräften über Zertifizierungen sicherstellen, um Berufszugang über ausländische Abschlüsse und Studienabbruch zu ermöglichen. Perspektivisch wollen wir das Schulgeld für alle Ausbildungsberufe abschaffen. Als erstes Bundesland wollen wir ein reines digitales Fernausbildungszentrum schaffen. Um ein gesellschaftliches Umdenken hinsichtlich der Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung zu erreichen, wollen wir die Haupt-, Real- und Sekundarschulen in einer Qualitätsoffensive und einem Sonderinvestitionsprogramm stärken.

(6) Bildung

Wie stark haben die Pandemie und die dazugehörigen politischen Maßnahmen Ihrer Ansicht nach der schulischen Bildung geschadet? Wie könnten diese Defizite aufgeholt werden?

Welche Maßnahmen in Bildungseinrichtungen haben sich Ihrer Ansicht nach im Zusammenhang mit der Pandemie bewährt? Wie sollte bei einer neuen Infektionswelle hier vorgegangen werden?

Unabhängig von der Pandemie: Wo sehen Sie Stärken unserer Schulen und unseres Schulsystems in NRW und an welchen Stellen sollte nachgebessert werden?

Beste Bildung gelingt nur, wenn Unterricht stattfindet. Wir wollen mehr Bildungsqualität erreichen, insbesondere durch eine bessere Schüler-Lehrer-Relation und kleinere Klassen in allen Schulformen. Für dieses Ziel muss der Lehrkräftemangel dauerhaft und strukturell behoben werden. Mit insgesamt vier wirksamen Maßnahmenpaketen haben wir seit 2017 insgesamt über 5.600 Lehrerstellen an unseren Schulen zusätzlich besetzen können.

Die Digitale Bildung ist eine zentrale Aufgabe für eine zukunftsfähige Schulpolitik. Das gilt sowohl für die technische Ausstattung und Infrastruktur als auch für die Anwendung im Unterricht. Wir haben in den letzten Jahren die Schulen in Nordrhein-Westfalen bereits digitaler ausgestattet. Die Corona-Pandemie hat unseren Schulen einen großen zusätzlichen Digitalisierungsschub gebracht. Sie hat aber auch gezeigt, was noch zu tun ist, damit jede Schule in Nordrhein-Westfalen zu einer digitalen Schule wird. Die Digitalisierung unserer Schulen ist nun unter pädagogischen Gesichtspunkten modern und nachhaltig zu gestalten.

(7) Immobilienpreise

Die Mietpreise in NRW sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Wie können Mieter und Mieterinnen entlastet werden?

Auch die Preise für den Kauf einer Immobilie sind stark gestiegen. Sehen Sie in diesem Bereich einen politischen Handlungsbedarf?

Uns treibt an, jede und jedem die Chance zu geben, die eigenen individuellen Träume zu verwirklichen. Dazu gehört auch das eigene Zuhause. 80 Prozent der Menschen möchten am liebsten Eigentümerin und Eigentümer sein, allerdings kann sich nicht einmal die Hälfte derzeit diesen Wunsch erfüllen. Wir wollen Nordrhein-Westfalen deswegen zum Land der Eigentümerinnen und Eigentümer machen. Durch eigene Leistung voranzukommen bedeutet für uns auch, mit dem Ertrag dieser Leistung den eigenen Lebensstandard gestalten und wesentlich zur eigenen Altersvorsorge durch Wohneigentum beitragen zu können. Insgesamt wollen wir den Wohnungsbau in allen Formen – freifinanziert, gefördert und selbstgenutzt – sowohl durch Neubau als auch durch Wohnraumschaffung im Bestand vorantreiben. Das hilft auch denjenigen, die lieber zur Miete wohnen möchten – mit einem breiteren Angebot und entsprechend günstigeren Mietpreisen.

(8) Umweltschutz

Welchen Bereichen sollten Ihrer Ansicht nach im Umweltschutz auf landespolitischer Ebene die höchste Priorität eingeräumt werden? Worauf gilt es hierbei zu achten?

Es ist unser Ziel, dass NRW bis im Jahr 2045 treibhausneutral wirtschaftet. Dieses ambitionierte Ziel haben wir als erstes Bundesland auch im NRW-Klimaschutzgesetz umgesetzt. Bis 2030 wollen wir mehr als 55 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien erzeugen. Insgesamt werden wir den Windenergieausbau verdoppeln und die Photovoltaik sogar mindestens verdreifachen, indem wir das Potenzial bisher ungenutzter Flächen ausschöpfen. Wir machen den Bau von Windkraft- und Solaranlagen attraktiver, beschleunigen Genehmigungsverfahren und schaffen neue Möglichkeiten der Flächennutzung. Die Akzeptanz von Erneuerbaren Energien kann nicht nur durch regelmäßigen und verständlichen Informationsfluss, sondern auch durch eine wirtschaftliche Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an Bauprojekten für regenerative Energien steigen.

(9) Ergänzungen

Gibt es einen noch nicht genannten Bereich, über den Sie Ihre potentiellen Wählerinnen und Wähler informieren möchten.

Mir ist es besonders wichtig, die Herausforderungen und Interessen aus dem Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen zu vertreten und mich für deren Realisierung einzusetzen. Eine einheitliche Gestaltung zum Beispiel im Bereich eines flächendeckenden, rentablen ÖPNV, der Ausbau erneuerbarer Energien, medizinische Versorgung etc. stellen besondere Herausforderungen dar. Oftmals müssen hier flexible Lösungen entwickelt und umgesetzt werden. Es kommt mir dabei darauf an, dass die Landespolitik gerade die ländlichen Regionen nicht aus dem Fokus verliert.

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Oberberg-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion in Bergneustadt. Sie ist per Mail [email protected] für unsere Leser erreichbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich willige ein, dass meine Angaben aus diesem Kontaktformular gemäß Ihrer Datenschutzerklärung erfasst und verarbeitet werden. Bitte beachten: Die erteilte Einwilligung kann jederzeit für die Zukunft per E-Mail an [email protected] (Datenschutzbeauftragter) widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"