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50 Jahre Stadt Wiehl: Wie Wiehl zu einer Eissporthalle kam

Wiehl Anlässlich des 50. Stadt-Jubiläums ruft die Stadt Wiehl ihre Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ihr Artikel über besondere Ereignisse in Verbindung mit der Stadt zuzusenden. Herr Dr. Fuchs – Wiehler Stadtdirektor von 1973 bis 1979 – hat das besonderes Ereignis zum Bau der Eissporthalle zusammengefasst:

„Traurig waren Tausende Badegäste, als 1973 der elektrische Durchlauferhitzer für das Wasser im einzigen großen Becken des Wiehler Schwimmbades unreparierbar ausfiel. Zugleich stöhnten weltweit die Menschen unter einer Ölpreissteigerung bis dahin unbekannten Ausmaßes, und Wiehl war die ärmste Stadt Nordrhein-Westfalens, der für 1974 jede dritte DMark zum Ausgleich ihres Haushaltes fehlte.

Vor diesem Hintergrund gewann die Diskussion um „alternative Energien“ – vor allem aus Sonnenwärme – an Fahrt. Als damaliger Stadtdirektor suchte ich nach Möglichkeiten, Geld für einen neuen Durchlauferhitzer für das Bad zu bekommen, erfolglos!

Angesprochen wurde auch das Bundesforschungsministerium, das angesichts der Ölkrise unter politischen Druck geraten war. Dort wurde ich nach einem geeigneten Platz für ein Solardach von 3000 m2 gefragt, das nach Süden geneigt, auf Stelzen gestützt und in der Nähe unseres bisherigen Bades gelegen sein sollte. In Betracht dafür kam nur der Aschensportplatz südlich der Wiehl. Im Wohnzimmer des damaligen TuS-Vorsitzenden Walter Lück wurde das Ansinnen mit dem TuS-Vorstand, Ratsvertretern und mir erörtert, die Idee „auf Stelzen“ verworfen und mein Vorschlag, eine Mehrzweckhalle mit Eissportanlage unter dem Solardach zu fordern, vom TuS-Vorstand (der den Aschefußballplatz verlieren würde) und später vom Rat angenommen.

Im Ministerium war der Schreck groß. Man suchte einige Monate nach anderen geeigneten Flächen, fand aber so schnell keine. Bei der obersten Kommunalaufsicht NRW, Innenminister Willy Weyer, fand das Projekt zunächst nur Ablehnung, weil die Stadt Wiehl nichts zuzahlen konnte. Druck aus Bonn überwand diese Hürde. Nächstes Hindernis: Bei Voruntersuchungen kam heraus, dass das alte Wiehler Freibad für die nötigen Anschlüsse nicht geeignet war und dass ein ganz neues Bad mit vier Becken für die Erwärmung des Badewassers durch Solarenergie erforderlich war. Das Land blockte zunächst, die Zeit bis zu den anstehenden Wahlen 1975 in Nordrhein-Westfalen und 1976 im Bund drohte aber ohne vorzeigbare Solarforschungsanlage abzulaufen. Aber nach vielen Gesprächen – auch auf Parteiebenen – gab das Land seinen Widerstand auf und förderte diesen Neubau, sodass die konkrete Planung für ein 9 Mio. DMark-Projekt begonnen werden konnte. Ratsbeschluss am 5. Dezember 1974.

Planung und Bau des europaweit größten Solarforschungsvorhabens mit angeschlossenem Schwimmbadneubau, inzwischen von RWE-Tochter Energietechnik getragen und einer US-Forschungseinrichtung begleitet, mit weiteren Forschungselementen wie Erdwärme und Flusswasserabsenkung gingen in rasantem Tempo los: Grundsteinlegung 2. Mai 1975, Einweihung bei schöner Sonne am 24. August 1976, jeweils von Minister Matthöfer begleitet.“

Autor: Dr. Dieter Fuchs
Quelle: Stadt Wiehl

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Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Oberberg-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion in Bergneustadt. Sie ist per Mail [email protected] für unsere Leser erreichbar.

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