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EW-Grundkurs der EF der GE Marienheide besuchte das EL-DE-Haus

Die verführte Generation

Pädagogik-Kurs der Gesamtschule Marienheide beeindruckt von der Sonderaus-stellung über die Hitler-Jugend in der ehemaligen Gestapo-Zentrale Köln

Von Jana Kutschaty – mit Anregungen von Charlotte Sauer, Niklas Grumann, Maya-Joreen Weuste und Chiara Becker

Ende Januar besuchte der Erziehungswissenschaftskurs (Stufe EF) unter der Leitung von Pädagogiklehrer Harry Meißner das sogenannte EL-DE-Haus in Köln. Der Name geht zurück auf die Initialen seines Bauherrn, des Kaufmanns Leopold Dahmen. Dieses Gebäude wurde zwischen 1935 und 1945 als Gestapo-Zentrale und Gefängnis genutzt. Die Insassen waren politische Häftlinge, Kriegshäftlinge und Zwangsarbeiter. Die Gestapo führte dort zahlreiche Massenhinrichtungen durch, was es zum Inbegriff der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft in Köln machte.

Quelle: GESAMTSCHULE MARIENHEIDE

Die Sonderausstellung stand unter dem Thema „Jugend im Gleichschritt!? – Die Hitlerjugend zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Markus, Mitarbeiter des Museums, führte uns durch die Ausstellung. Kombinierte Bild-Text-Tafeln vermittelten einen nachvollziehbaren Eindruck der damaligen NS-Zeit. Als Erstes wurden uns zwei komplett unterschiedliche Familien vorgestellt. Die erste Familie namens Fahlenbusch war sehr von der nationalsozialistischen Bewegung angetan und die Eltern erzogen ihre Kinder nach der menschenverachtenden Ideologie. Die zweite Familie hingegen versuchte Distanz zu den Geschehnissen in der Politik aufzubauen. Das nationalsozialistische Denken war jedoch fest in den Alltag der jungen Generation eingebunden, da einige Volksschulen dies frühzeitig auch ohne Aufforderung des Staates schon an die Schüler vermittelten. Beispielsweise hing die Volksschule „Bocholt 2“ eine Hakenkreuzfahne in ihren Klassenräumen auf, bevor dies zur Vorschrift wurde. Trotz dieser Propaganda versuchte ein Teil der Bevölkerung an ihrem Glauben und ihrer Religion festzuhalten, was sich gegen den Willen der Nationalsozialisten richtete.

Für viele Jugendliche war das Leben in dieser Zeit nicht einfach, da sie oft mit vielen Geschwistern und den Eltern auf engstem Raum wohnen mussten und die Eltern unter Arbeitslosigkeit litten. Somit verbrachte man als Jugendlicher die Zeit außerhalb der eigenen vier Wände, was wahrscheinlich jeder Schüler unseres Kurses nachvollziehen konnte. Besonders beliebt waren damals Jugendgruppen, wie auch die Hitlerjugend eine sein wollte. Diese Jugendbewegungen waren jedoch keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern stammten aus der Zeit des Kaiserreichs. 1932 waren eher wenige Jugendliche in der HJ vertreten, was sich aber bis 1939 auf etwa 80% der Jugendlichen steigerte, denn ab 1936 wurde sie für alle Jungen ab 14 Jahren verpflichtend. Dabei war auch entscheidend, ob man auf dem Land oder in der Stadt lebte. In der Stadt konnte man sich dem Beitritt kaum entziehen, was auf dem Land um einiges einfacher war. Die Mädchen traten nach der Jungschar in den Bund Deutscher Mädel (BDM) ein. Einige Mädchen konnten sich dem entziehen, weil sie beispielsweise in der Jungschar eine Führungsposition übernahmen. Die Jungschar war ohnehin viel beliebter als die HJ, da diese eher als harter Dienst angesehen wurde.

Der Gau „Köln/Aachen/Bonn“ galt als eine Verwaltungseinheit. Aufgrund genauer Bürokratie sind fast exakte Mitgliedszahlen bezüglich der HJ und dem BDM vorhanden. Die Jugendlichen wurden damals von den Eltern oder den Lehrern für die Jugendbewegung angemeldet und erhielten dann eine Art Mitgliedsausweis. Die HJ veranstaltete jeden Samstag Treffen, die den Samstagsunterricht ersetzten. Einige Jungen hatten beispielsweise die Möglichkeit, einen Segelschein zu erwerben. Zudem wurden Zeltlager, Fahrten und reichlich Sportaktivitäten angeboten. Durch militärische Übungen wie Antreten, Anpirschen und Angriffsrituale sollten die Jungen auf den Krieg vorbereitet werden. Den Mädchen hingegen wurde eine angemessen Haushaltsführung beigebracht. Sie sollten vor allem ihre Rolle als Mutter verinnerlichen.

Der Wunsch der Nationalsozialisten war es, dass alle Jugendlichen über eine Uniform verfügen sollten. Die kostete jedoch 42 Reichsmark, was bei einem Jahreseinkommen von ca. 1500 Reichsmark fast unmöglich zu bezahlen war. Da nicht jeder Jugendliche über eine komplette Uniform verfügte, wurden die, die eine ganze Uniform besaßen, beim Antreten in die erste Reihe gestellt und die nicht ganz Uniformierten weiter nach hinten.

Der Sitz der Reichsjugendführung war in Berlin; er umfasste rund 1000 Mitglieder, welche sich mit der Bürokratie beschäftigten. Die HJ sollte als Jugendbewegung inszeniert werden und es gab 40 Zeitungen, die zur Propaganda genutzt wurden. Damit wollten sie vor allem um Jugendliche werben, die sich für Führungspositionen eigneten. Dies war besonders attraktiv, da man oft nur ein Fahrrad zur Fortbewegung hatte und man in Führungspositionen eventuell ein Auto gestellt bekam.

Nicht alle waren von der HJ überzeugt und schlossen sich zu anderen, unangepassten und auch in christlichen Vereinigungen zusammen. Darunter gab es besonders viele katholische Gruppierungen, die sich auch durch ihre Kleidung von den HJ-Mitgliedern unterschieden. Juden waren ab 1941 zum Tragen des Davidsterns verpflichtet. Trotz großer Gefahr verbrachten sie ihre Freizeit wie auch die deutschen Jugendlichen oft im Freien und konnten zunächst regulär die Schule besuchen. Mit der Zeit wurde die Gefahr aber erkannt und so manche Schüler reisten nach und nach mit ihren Familien aus – soweit es ihnen möglich war. Eine weitere Gruppierung bildeten die Edelweißpiraten, sich durch ihren Dresscode unterschieden und sich mit aller Macht gegen die Anpassung sträubten und ebenfalls starken Repressalien ausgesetzt waren.

Nach der Führung durch die Sonderausstellung war es uns Schülern und Schülerinnen möglich, sich frei im Haus zu bewegen. Besonders die Gefängniszellen im Untergeschoss lösten bei uns ein mulmiges Gefühl aus, da man sich in dieser Umgebung sehr gut in die Situation der damaligen Gefangenen hineinversetzen konnte. Uns allen ist klar geworden, dass das Leben in der Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus durch militärische Vorschriften und allumfassende Reglementierung des Hitler-Regimes sehr eingeschränkt war. Die Jugendlichen hatten zu dieser Zeit lang nicht so viel Freiraum, wie das manch einer heutzutage gewohnt ist.

Die Führung durch das EL-DE-Haus wurde von dem gesamten Kurs als sehr positiv empfunden und als besonders lehrreich bezeichnet. Und es liegt an uns, dass so etwas wie dieser barbarische Zivilisationsbruch nicht noch einmal passiert.

Das komplette Material der Ausstellung steht zum Nachlesen auf der Internetseite des EL-DE- Hauses zur Verfügung.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche verantwortet die Redaktion Oberberg-Nachrichten. Sie schreibt als Journalistin über regionale Themen und besondere "Landmomente". Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist telefonisch unter 02261-9989-885, oder über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected] - Redaktionssprechstunde: Mo, Di und Do von 10-12 Uhr.

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