1.000 Euro leihen und nur 900 Euro zurückzahlen – mit solchen Angeboten buhlen diverse Kreditgeber derzeit um die Gunst potenzieller Kunden. Die anhaltende Zinspolitik der Europäischen Zentralbank verursacht so manch verrücktes Angebot in der Finanzbranche. Kredite mit einem negativen Zins gehören dazu. Weniger Geld zurückzahlen als geliehen wurde, diese Kreditangebote wecken mindestens die Aufmerksamkeit.

Experten gehen längst von einem langsamen Ende der niedrigen Zinsen aus. Das wäre gleichbedeutend mit einem Ende günstiger Kredite für Studenten oder Immobilienbesitzer. Eine geplante Regulierungswelle könnte Kredite in der Zukunft noch teurer machen. Die Rede ist von der sogenannten „Basel IV-Regulierung“.

Lehren der Finanzkrisen

Foto: Bildarchiv ARKM

Kaum eine Branche in Deutschland ist so stark reguliert wie der Bankensektor. Dass eine strenge Aufsicht nicht immer verkehrt ist, zeigte die Finanzkrise vor einigen Jahren. Doch auch in der Vergangenheit erschütterten Pleiten und fehlerhaftes Management Krisen mit weitreichenden Folgen. Anfang der 1970er Jahre etwa sorgte die Insolvenz des privaten Kölner Geldhauses Herstatt-Bank international für Aufsehen.

Die Bank hatte sich zur damaligen Zeit bei Devisenspekulationen schwer verschätzt und ist später an den hochriskanten Spekulationen pleitegegangen. Die G10-Staaten reagierten damals rasch und präsentierten als Ergebnis die „Basel-Regulierung“, benannt nach dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht. In Anlehnung an die Regulierungen der 1970er Jahre und den Folgen der letzten Finanzkrise sollen ab 2022 die neusten Vorschriften Inkrafttreten.

Höhere Kosten für Verbraucher

Die geplanten Vorschriften sind komplex und umfangreich. Primär sollen die Banken mehr Eigenkapital zur Risikoabdeckung vorhalten. Alle Geldhäuser sollen eine sogenannte Mindestkapitalausstattung festschreiben. Betroffen von der Regulierung sind alle Geldhäuser mit einer bilanzierten Summe von über 30 Milliarden Euro. Allein in Deutschland wären die 29 größten Banken betroffen. Europaweit sind hunderte Banken verpflichtet, die Vorgaben der aus „Basel IV“ umzusetzen.

Zur Folge hätte das eine genauere Risikoabschätzung bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen und Privatverbraucher. Die Banken sind direkt dazu verpflichtet, das finanzielle Risiko in Teilen an Kreditnehmer weiterzugeben. Greift die neue Regulierung in der bestehenden Form, würde das die Kreditvergabe sowohl verteuern als auch deutlich erschweren. Höhere Kreditzinsen und eine strenge Prüfung bei der Kreditvergabe könnten die Folge sein.

Warnung vor „Basel IV“

Längst laufen die großen Interessenvertreter und Verbände Sturm gegen die geplante Regulierung. Vonseiten des Bundesverbandes kommt der Kommentar, dass „Basel IV“ nicht zulasten der Wirtschaft gehen darf. Viele Inhalte des „Basel III-Pakets“ sind aus Sicht des Verbandes noch nicht umgesetzt. Wird das neue Paket wie geplant 2022 greifen, drohen der Kreditwirtschaft enorme Schwierigkeiten.
In die gleiche Kerbe schlägt der Bundesverband der deutschen Industrie, kurz BDI. In einem gemeinsamen Positionspapier mit dem Bankenverband wird vor den enormen Folgen für die heimische Wirtschaft gesprochen. Die Rede ist von einem Einbruch der Wirtschaftskraft bei einer erschwerten Kreditvergabe an Unternehmen.

Tipps für Privatpersonen

Noch sind die neuen Regularien für die Bankenwirtschaft nicht beschlossen, ihre Schatten werfen sie bereits voraus. Privatpersonen sind gut beraten, Finanzierungspläne nicht zu weit in die Zukunft zu schieben. Experten rechnen spätestens für das Jahr 2020 mit steigenden Zinsen, ohne ein Einwirken der Folgen von „Basel IV“.
Wer auf der Suche nach einem günstigen Darlehn ist, sollte Kreditzinsen vergleichen und die Angebote mehrerer Geldgeber prüfen. Alternative Angebote wie ein P2P-Kredit – Kredite von Privatpersonen – können empfehlenswert sein. Eine lange Zinsbindung ist angesichts der vermutlich steigenden Kosten ratsam.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Oberberg-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über regionale Themen und besondere "Landmomente". Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist telefonisch unter 02261-9989-885, oder über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@oberberg-nachrichten.de

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