Anlässlich der ersten Fridays for Future-Demonstration in Gummersbach am 20.09.2019 haben wir einigen größeren Parteien in Gummersbach folgende Fragen gestellt:

  1. Welche Relevanz hat der Klimaschutz allgemein für Ihre Partei in Oberberg, insbesondere in Gummersbach?
  2. Wie steht Ihre Partei zu Fridays for Future?
  3. Was würden Sie den Teilnehmern und Organisatoren von Fridays for Future für die Zukunft empfehlen?

Hier sind ihre Antworten

Christoph Schmitz, CDU

„1. Klimaschutz oder besser gesagt der Schutz von Natur und Umwelt hat seit je her eine besondere Bedeutung für meine Partei. Den das „C“ im Parteinamen steht auch für die Bewahrung der Schöpfung. Bereits in meiner Zeit als Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Gummersbach sind auf Initiative der CDU entsprechende Beschlüsse zum Klimaschutz gefasst worden.

2. Das Meinungsbild hierzu ist differenziert. Grundsätzlich zu begrüßen ist die Tatsache, dass sich junge Menschen mit den wahrscheinlich existentiellen Fragen ihrer Zukunftssicherung auseinander setzen und ältere Generationen hierfür sensibilisiert.

3. Nicht nur freitags auf die Strasse zu gehen, sondern sich auch sonst politisch zu engagieren. Denn notwendige Veränderungen erreicht man am besten noch immer durch Mitarbeit in den demokratischen Parteien heraus.“

Gabriele Priesmeier, FDP

„Die FDP Gummersbach hat sich wie die Bundespartei auch immer für die Belange des Umweltschutzes eingesetzt, sei es z.B. bei Planung und Bau von Radwegen, bei der ökologischen Sanierung von öffentlichen Gebäuden, beim Ausbau des ÖPNV durch eine bessere Taktung der RB 25 oder durch nachfragegerechte Busfahrpläne. Allerdings ist uns auch bewusst, dass für die Bevölkerung im ländlichen Raum wie in Gummersbach und im Oberbergischen Kreis, seien es Pendler, Handwerker oder bei Privatfahrten auch topographiebedingt das Auto nicht so einfach zu ersetzen sein wird. In jüngster Zeit überlegen wir, wie wir die Zunahme von lebensfeindlichen Schottergärten auch ohne Verbote eindämmen können. Die Freien Demokraten in Gummersbach begrüßen das Engagement der (jungen) Bevölkerung für den Klimaschutz im Rahmen der „Fridays for Future“ Aktivitäten und auch das dadurch zum Ausdruck gebrachte Interesse an der gemeinsamen Gestaltung des künftigen gemeinsamen Zusammenlebens.

Allerdings würden wir uns wünschen, dass bei aller Kritik an den bisher sicher teilweise zögerlichen politischen Maßnahmen zum Klimaschutz nicht nur eindimensional argumentiert wird. Das Wirtschaftsleben ist wie ein Räderwerk, in dem man nicht einfach von heute auf morgen ein oder zwei Zahnräder (z.B. Atom- oder Kohlestrom) entfernen kann ohne das Ganze zum Stillstand zu bringen. Aufgabe der Politik ist es immer auch, verschiedene Interessen im Auge zu behalten und dafür zu sorgen, dass auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel möglichst viele Bürgerinnen und Bürger mit an dem Strang ziehen. Außerdem ist festzustellen, dass die Freien Demokraten Politik, die auf Verboten und zusätzlichen (Straf-)- Steuern beruht, ablehnen. Jeder Einzelne kann ja bereits heute für sich entscheiden, welches Verkehrsmittel er für private Wege oder Urlaube nutzt, welche Lebensmittel er wo einkauft.

Und wir Freie Demokraten freuen uns immer über neue Unterstützer bei der gemeinsamen Aufgabe, das Leben in Gummersbach für alle Bürgerinnen und Bürger attraktiv und umweltgerecht zu gestalten.“

F. Lothar Winkelhoch, Die Grünen

„Die Klimakastatrophe und der Umweltschutz stehen bei uns mit an erster Stelle unserer Bemühungen.

FFF ist das Beste, was dem Planeten und seinen Bewohnern in der heutigen Situation geschehen konnte. Wir unterstützen die Bewegung ohne Wenn und Aber.

Die Bewegung, die TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen sollten sich davor hüten, sich politisch vereinnahmen zu lassen. Von niemandem! Sie sollen durchhalten und nicht einknicken und sich keinesfalls korrumpieren lassen.“

Heidi Mehlhorn, DIE LINKE

„Für meine Partei DIE LINKE und mich persönlich hat der Klimaschutz oberste Priorität.

Im Oberbergischen Kreis sehen wir doch tagtäglich die Folgen der Klimakatastrophe, Wandel klingt für mich zu harmlos, die abgestorbenen Fichten, die jederzeit einen Verkehrsteilnehmer oder Spaziergänger tödlich treffen können, wie in dem traurigen Fall des Motorradfahrers in Gummersbach letzte Woche.

Wir können es uns nicht mehr leisten immer größere Flächen zu versiegeln, wie es z. B. mit der Erweiterung des Industrieparks in meinem Wohnort Lindlar geplant ist.
Vom ewigen Wachstum müssen wir uns verabschieden, das ist schon seit ca. 30 Jahren bekannt, aber bis heute mit Erfolg verdrängt worden.

Die LINKE steht 100%ig hinter der Fridays for Future-Bewegung. Sie ist durch ein 15-jähriges Mädchen entstanden, das Mut und Ausdauer bewiesen hat, bis daraus eine weltweite Bewegung entstanden ist, ich denke, das ist einzigartig in der neueren Geschichte!

Morgen werde ich in Gummersbach u. a. mit meiner 95-jährigen Mutter leidenschaftlich für die Zukunft unseres Enkelkindes und aller Kinder demonstrieren, denn sie sind hilflos und vollkommen unschuldig am Zustand unserer Welt!

Ich kann nur hoffen, dass die SchülerInnen in ihren berechtigten Forderungen nicht nachlassen und ihnen einen langen Atem für die Zukunft wünschen.“

Von der SPD Gummersbach und der AfD Oberberg bekamen wir leider keine Rückmeldung.

Bildrechte: NABU-Oberberg

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Oberberg-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion in GM-Windhagen und ist unter Tel. 02261-9989-885 bzw. Mail: redaktion@oberberg-nachrichten.de für unsere Leser erreichbar.

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