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Wachkoma-Patienten als Menschen sehen

Um mehr Patienten aufnehmen zu können, hat der Verein angebaut.

Bergneustadt – Mitten im Oberbergischen gibt es etwas, das in Deutschland einmalig ist: In Neuenothe ist der gemeinnützige Verein „Patienten im Wachkoma“ beheimatet. Hier werden Betroffene und deren Angehörige in familiärer Atmosphäre betreut. „Angefangen hat alles 1995“, erinnert sich Mechthild Glunz, jetzige Vorsitzende des Vereins, an die Anfänge der Einrichtung. „Hildegard und Dietmar Baumhof waren selbst betroffen. Ihre Tochter lag im Wachkoma und musste gepflegt werden.“

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Einige Wachkoma-Patienten müssen über eine Sonde ernährt werden.

Während der Pflege der Tochter merkte das Ehepaar, wie groß der Bedarf war. So wurde der Verein gegründet und einige Patienten im eigenen Haus aufgenommen. „Da der Bedarf weiter gestiegen ist, mussten wir mit dem Verein umziehen“, so Glunz. In der Nachbarschaft fand man eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit. Einige Zeit später habe sich dann die Möglichkeit ergeben, das Haus der Familie Baumhof zu erwerben. Diese Chance ergriff der Verein und baute an das bestehende Gebäude an, so dass jetzt bis zu neun Patienten betreut werden können.

Eigener Pflegedienst betreut Patienten

Um den Betroffenen die entsprechende Pflege zukommen zu lassen, gründete der Verein 2009 einen eigenen ambulanten Pflegedienst. „Dieser rechnet dann mit den Kostenträgern direkt ab“, erklärt Karl-Heinz Andree, Geschäftsführer des Pflegedienstes. Auch, wenn der Anfang sehr schwer gewesen sei, habe sich das Risiko gelohnt. Andree: „Mittlerweile schicken uns die Krankenkassen auch Patienten.“

Denn bei „Patienten im Wachkoma“ steht der Mensch im Mittelpunkt. Gehe es bei vielen Reha-Zentren nur darum, die Patienten „satt und sauber“ zu halten, habe sich „PiW“ zum Ziel gesetzt, die Patienten „fit für zu Hause“ zu machen. So wird zum Beispiel die Trachealkanüle abtrainiert, damit den Patienten Riechen, Schmecken, Sprechen und Schlucken wieder möglich ist. Innerhalb weniger Wochen kann der Blasenkatheder abtrainiert werden. Auch die Ernährung wird umgestellt. Andree: „Die meisten Patienten werden im Krankenhaus über eine Sonde ernährt. Wir gewöhnen den Körper hier an normale Nahrung.“

Angehörige in Pflege integrieren

Aber auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen ist dem Verein wichtig. „Meist sind es die Angehörigen, die mehr Hilfe brauchen“, so Glunz. Und so werden diese mit einbezogen: Sei es beim Essen, bei der Pflege oder bei den verschiedenen Therapien. „Schließlich sind es die Angehörigen, die sich in der Regel um die Patienten kümmern, wenn sie wieder zu Hause sind“, so Andree. Sollte ein Pflegedienst diese Aufgabe übernehmen, wüssten die Angehörigen, worauf es ankommt.

Ein Wachkoma wird durch eine schwere Schädigung des Gehirns ausgelöst. Dies kann in Folge eines Schädel-Hirn-Traumas, eines Sauerstoff-Mangels oder eines Schlaganfalls geschehen. Im Krankenhaus werden die Patienten zunächst auf der Intensivstation betreut – komatös sowie künstlich beatmet und ernährt.

Spendenkonten:

Volksbank Oberberg Konto: 220 5555 016 BLZ: 384 621 35

Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt Konto: 44 66 66 BLZ: 384 500 00

Text und Bilder: Simone Hawellekk

Veröffentlicht von:

ARKM-Zentralredaktion
Die Zentral-Redaktion erreichen Sie telefonisch während der Redaktionssprechstunde (siehe Impressum) unter 02261-9989-885 bzw. per Mail unter [email protected]

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