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Körperformen Lindlar: Bei Corona-Nothilfen durchs Raster gefallen

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Lindlar Die Kritik gilt der Politik, nicht dem örtlichen Ordnungsamt: Körperformen Lindlar darf nicht öffnen, obwohl zwischen 30 und 50 Prozent der Körperformen-Kunden aufgrund einer medizinischen Notwendigkeit die Betriebe aufsuchen. Für den Betrieb in Lindlar ist das insofern zusätzlich von besonderer Bedeutung, weil er aus dem Raster für die Nothilfen fällt, wie uns zwei der drei Inhaber, Melissa Reinhardt und Stephan Türk, berichteten. Dabei gilt die Kritik nicht grundsätzlich den Corona-Maßnahmen: Stephan Türk verglich die Pandemie mit einer Krankheit der Gesellschaft und den Lockdown mit der verschriebenen Medizin – allerdings mit fatalen Nebenwirkungen.

Bedingungen für Wirtschaftshilfen

“Unser Vorwurf ist, dass man nicht genau hinschaut”, so Stephan Türk. Körperformen Lindlar ist bei den Wirtschaftshilfen II nicht antragsberechtigt. Der Betrieb besteht seit 2017, wurde allerdings zum 01.11.2020 von den drei Gesellschaftern übernommen – einen Tag vor dem Lockdown. Da sich die Form von einer GmbH zu einer GbR änderte, gilt es als Neugründung, weshalb Vergleiche mit Vorjahresmonaten nicht wie ansonsten üblich angestellt werden dürfen. Auch aus den Regelungen für Neugründungen fällt Körperformen Lindlar heraus: Um Wirtschaftsbetrug vorzubeugen, wurde die Deadline, zu der ein Unternehmen spätestens gegründet sein muss, um Wirtschaftshilfen zu erhalten, auf den 27.10.2020 gelegt – vier Tage vor der Übernahme des Betriebes. Das Steuerbüro der Inhaber hat verschiedene Möglichkeiten geprüft, aber bisher gibt es für Körperformen Lindlar keine Hilfsangebote.

Jetzt mag manch einer sagen: Warum gründet man denn auch mitten in der Pandemie ein Unternehmen? Die Entscheidung wurde allerdings nicht von heute auf morgen getroffen, die Verhandlungen für die Übernahme liefen bereits im Dezember 2019 und wurden im Sommer 2020 abgeschlossen, als die Fallzahlen eher gering ausfielen. “Wenn man wirklich helfen möchte, muss man differenziert hinschauen”, so Stephan Türk.

Körperformen: Fitnessstudio oder medizinische Einrichtung?

Das EMS-Training, das Körperformen Lindlar anbietet, stammt aus der Medizin und findet unter anderem Anwendung bei Rückenschmerzen, Arthrose oder Kniebeschwerden. Auch in einigen Physiotherapie-Praxen trifft man auf EMS-Training. Grundsätzlich stellt sich daher die Frage, ob Körperformen unter die Rubrik “Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen” fällt, die nach der Corona-Schutzverordnung geschlossen bleiben müssen, oder ob es als medizinisch notwendige Dienstleistung öffnen darf. Dass es keine eindeutige Regelung gibt, zeigt die Erfahrung Stephan Türks: Er ist Inhaber von insgesamt sechs Körperformen-Betrieben in sechs verschiedenen Kreisen, von denen drei öffnen durften, drei mussten geschlossen bleiben. Auch die Ordnungsämter wirken unsicher, die Verordnung lässt Spielraum für Interpretation zu.

Die Entscheidung, ob Körperformen-Betriebe öffnen dürfen, erscheint fast willkürlich. Bei sechs Betrieben, die das gleiche Konzept vorlegen, werden drei pauschal als Fitnessstudio deklariert. Das mit Unterstützung von Medizinern entwickelte Konzept sah allerdings vor, ausschließlich für Kunden zu öffnen, die eine ärztlich bestätigte medizinische Notwendigkeit aufweisen können, dazu FFP2-Masken-Pflicht für Trainer und Kunden. Ein Kunde mit Trainer pro Raum, eine Trennwand zwischen ihnen, und Luftfilter um Aerosole zu verringern gehören zu Konzept und Ausstattung. Für Körperformen Lindlar bedeutet das zusätzlich zu den Anfangsinvestitionen rund um Renovierung und Modernisierung und den laufenden Kosten durch zum Beispiel aus dem ehemaligen Betrieb übernommene Auszubildende auch noch Zusatzinvestitionen, die nun nicht genutzt werden können.

Ein Einzelfall?

Für die junge Inhaberin Melissa Reinhardt sollte Körperformen Lindlar die Existenzgrundlage werden. “Ich bin froh, dass ich noch zuhause wohne, denn eine Miete könnte ich jetzt nicht bezahlen. Ich weiß, dass das vielen Selbstständigen nicht so geht”, berichtet sie. Wie viele Unternehmer und Selbstständige von solchen existenzgefährdenden Umständen betroffen sind, lässt sich allerdings nur schwer abschätzen.

Autorin: Amei Schüttler

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Oberberg-Nachrichten. Sie sitzt in unserer Zentralredaktion in Bergneustadt. Sie ist per Mail [email protected] für unsere Leser erreichbar.
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