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Myastheniezentrum Gummersbach erhält Zertifizierung

Gummersbach – Seit gut 17 Jahren erforscht Neurologe Prof. Dr. Franz Blaes in Zusammenarbeit mit der Universität Gießen nun schon das Krankheitsbild der „Myasthenia gravis“. Diese lebensbegleitende Erkrankung, unter der bundesweit in etwas 12.000 bis 13.000 Menschen leiden, zeichnet sich durch belastungsabhängige Muskelschwäche aus. Schwere Augenlider, Sprech- und Schluckbeschwerden sowie eine erschwerte Atmung sind Begleiter dieser Störung im körpereigenen Immunsystem. Erkrankte können dabei sowohl durch Zeiten gehen, in denen die Myasthenie kaum spürbar für sie ist, als auch durch schwere Krisen mit lebensbedrohlicher Atemnot. Heilen lässt sich dieses Krankheitsbild nicht. Passende Therapien können allerdings die Beschwerden mindern.

Seit drei Jahren hat das Kreiskrankenhaus Gummersbach nun auch ein eigenes Myastheniezentrum, für welches es heute am 15.04.2016 zertifiziert worden ist. Das Gummersbacher Zentrum bietet Erkrankten eine sichere Behandlung mit Komplettversorgung. Das bedeutet, dass die Patienten von der Diagnose bis hin zur Behandlung von einem Team aus Neurologen, Logopäden und Pflegern begleitet wird. „One stop, one job“, lacht Hans Rohn, Vorsitzender der Deutschen Myasthenie Gesellschaft und selbst Träger der Erkrankung.

Das gesamte Netzwerk der IMZ-Zentren, zu denen derweilen 12 Zentren in Deutschland gehören, arbeitet stetig gemeinsam an Fortschritten in diesem Krankheitsbild. Durch Erfahrungsaustausch ohne Konkurrenzdenken können die Zentren Hand in Hand tätig sein und die Forschungen zu dieser Krankheit vorantreiben. Nachhaltigkeit ist hierbei ein wichtiger Punkt, denn gewonnene Erkenntnisse sollen in Zukunft weitergegeben werden. „Man ist ja kein Einzelkämpfer“, beschreibt Prof. Dr. Blaes seine Arbeit mit diesem Krankheitsbild.

Ein weiterer Punkt, an dem das Myastheniezentrum Gummersbach arbeitet, ist die frühzeitige Diagnose solcher Krankheiten. Nicht selten erstreckt sich die tatsächliche Diagnose dieser Krankheit über ein paar Jahre. In dieser Zeit leiden Patienten bereits unter der Krankheit, haben aber keinerlei Anhaltspunkte für die Herkunft ihres Leidens. Um dies in Zukunft zu verbessern, müssen auch „Nicht-Neurologen“ für das Krankheitsbild sensibilisiert werden, sodass Symptome schneller erkannt werden. Auch Prof. Dr. Blaes berichtet: „Man muss ein gewisses Bewusstsein und Fingerspitzengefühl für die Krankheit entwickeln. Meine schnellste Diagnose bis heute liegt bei 7 Minuten. Darauf bin ich sehr stolz, denn das bedeutet eine Entlastung für die Betroffenen“.

Hans Rohn freute sich sichtlich bei der Übergabe der Urkunde an das Myastheniezentrum Gummersbach: „Bereits beim Durchgehen dieses Krankenhauses wurde mir ein toller Eindruck vermittelt. Hier bestätigte sich der Erfolg unserer Zusammenarbeit.“ Einrichtungen, die eigene Projekte und Forschungen verfolgen, wie das Kreiskrankenhaus Gummersbach sind wichtig für die deutsche Myastheniegesellschaft. Deshalb ist Herr Rohn besonders erfreut darüber, dass das Gummersbacher Zentrum die Mühe aufgenommen hat, alles für eine Zertifizierung vorzubereiten. Diese ist allerdings nicht der Abschluss der Forschung, sondern ein Einstieg. Das Team um Prof. Dr. Blaes setzt sich eine Standardisierung sowie weitere Fortbildungen des Personals als Ziel.

Auch hier Arbeiten die einzelnen Zentren eng miteinander zusammen. „In der Zukunft stehen einige gemeinsame Projekte und Workshops an“, berichtet Hans Rohn. „Auch versuchen wir momentan ein drittes Medikament für dieses Krankheitsbild durchzubekommen.“ Das gesamte Team des Myastheniezentrums im Kreiskrankenhaus Gummersbach, sowie die Geschäftsführung Magnus Kriesten und die deutsche Myasthenie Gesellschaft freuen sich sehr über die heutige Übergabe der Zertifizierung und erhoffen sich Fortschritte und Erfolge, durch weitere Zusammenarbeit der Zentren, in der Zukunft, denn damit kann Erkrankten Sicherheit und Hoffnung gegeben werden.

Text und Fotos: Aline Walter

Veröffentlicht von:

Aline Walter
Aline Walter ist Redakteurin und kaufmännische Mitarbeiterin bei ARKM. Als Reporterin versorgt die Studentin des Medienmanagements sowie der Unternehmensführung die Oberberg-Nachrichten täglich mit aktuellen Nachrichten und Berichten aus der Region.

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Ein Kommentar

  1. Herzlichen Glückwunsch zur Zertifizierung ihres Hauses.
    Somit konnte wieder eine Lücke im Netz geschlossen werden.

    Viele Grüße aus Sinn
    Deutsche Myasthenie Gesellschaft
    P. Fensch

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