Bergneustadt – Über die stolze Summe von 14.300 Euro, die bei der Sozialaktion 2018/19 des Berufskollegs Technik (BKT) zusammengekommen ist, freuten sich die Vertreter des in diesem Jahr bedachten Vereins „Patienten im Wachkoma e.V.“(PiW) aus Bergneustadt/ Neuenothe. Der Verein wurde in einem Auswahlverfahren unter drei Bewerbern von der Schülervertretung ausgewählt.

Die Spende soll für den Bau einer überdachten Terrasse an Haus Ilona, dem Domizil des 1995 gegründeten Vereins, verwendet werden, in dem ein besonderes Konzept für die Pflege und Therapie von Menschen im Wachkoma entwickelt worden ist.Dank der Überdachung wird es künftig möglich sein, den Patienten im Wachkoma häufiger einen vor Wind, Regen und übermäßiger Sonne geschützten heilsamen Aufenthalt an frischer Luft zu ermöglichen. Auch Therapiemaßnahmen können dann dort stattfinden, berichteten PIW Mitarbeiter Hrachya Shaljyan und Karl Heinz Andree bei der symbolischen Scheckübergabe im BKT.

Fünf Tage lang hatten beide bei der vom BKT ausgeschriebenen Bewerbung für die Sozialaktion über Arbeit und Anliegen von PiW informiert und dabei rund 4000 der 8000 Schülerinnen und Schüler erreicht. „Das war eine echte Herausforderung für uns. Wir freuen uns, dass wir den Zuschlag bekommen haben“, so Andree, dessen Bericht von persönlichen Erfahrungen die Schüler und Schülerinnen emotional berührte. Seine Ehefrau fiel von 15 Jahren aufgrund einer Hirnblutung ins Wachkoma und kann dank des Aufenthaltes bei PiW mit intensiver Pflege und ganz spezieller Therapiemethoden wieder in ihrer vertrauten Umgebung zu Hause leben.

Das „Apallische Syndrom“, wie das Wachkoma in der Fachsprache heißt, ist die schwerste Form einer Bewusstseinsstörung: Der Patient ist zwar wach, kann sich aber nicht für Laien erkennbar äußern, zeigt keine sinnvollen Reaktionen, schaut ins Leere. Die Menschen nehmen ihr Umfeld wahr – können es aber nicht zuordnen.

Die ambulante, betreute Wohngemeinschaft des Vereins bietet Platz für acht Patienten und bei Bedarf auch für Angehörige. Die Arbeit steht unter dem Motto: „Wir sind kein Heim – Wir bringen sie heim“. Die Rückkehr der Patienten in ein möglichst normales Leben zu Hause ist oberstes Ziel.

Das therapeutische und pflegerische Konzept von PiW ermöglicht es den in Kommunikation und Bewegung schwersteingeschränkten Patienten ohne Trachealkanüle, Blasenkatheter und sedierende Medikamente zu leben. Bei PiW ist man überzeugt, dass Menschen im Wachkoma mehr wahrnehmen können als gemeinhin angenommen wird. Auch Angehörige werden in die Pflege einbezogen und in allen Belangen rund um das Thema Wachkoma unterstützt.

Sehr häufig kommen Patienten, die als austherapiert gelten, nach Neuenothe. So auch der für hirntot erklärte damals 19jährige Waldarbeiter aus der Nähe von Siegen, der in Bergneustadt nach 56 Wochen aus dem Koma erwachte. Er führt heute ein selbstständiges Leben. Etliche Schüler des BKT kennen ihn sogar“, erzählt Karl Heinz Andree. Solches Erwachen bleibt zwar eine seltene Ausnahme, ist aber möglich.

Sozialaktionen zugunsten einer guten Sache haben am Siegener Berufskolleg Technik eine lange Tradition. Denn am Kolleg werden nicht nur fundierte fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, sondern Schülerinnen und Schülern sollen auch „einen Blick für menschliches Leid bekommen “, so Ralf Bruch, stellvertretender Schulleiter, bei der Scheckübergabe. Die Schüler und Schülerinnen des BKT reagierten nicht nur mit dem Griff in den eigenen, oft schmalen Geldbeutel, sondern auch mit einem Waffel- und Getränkeverkauf bei den Schulsporttagen vor Weihnachten. „Zwischen 500 und 1000 Euro sind dabei für PiW zusammengekommen“, freut sich Mitorganisator Kevin Hartmann aus der Schülerschaft. Ein Beitrag des Fördervereins und eine Sammlung bei der Weihnachtsfeier des Kollegiums flossen ebenfalls in die Spende für PiW. „Wir laden euch zur Einweihung der überdachten Terrasse ein“, versprach Hrachya Shaljyan in seiner Dankesrede.

Quelle: Patienten im Wachkoma e.V.

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Annalena Rüsche
Annalena Rüsche
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