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Corona-Krise macht erfinderisch

Gesichtsvisiere aus dem 3D-Drucker

Oberbergische Initiative fertigt Behelfsvisiere für Krankenhäuser, Ärzte und Menschen in Schlüsselpositionen

Bergneustadt – Es klingelt, Ulrich Saßmannshausen checkt, wie so oft in den vergangenen Tagen, den Nachrichteneingang seines Mobiltelefons. Wieder eine Anfrage für Gesichtsvisiere – eine von vielen in der Corona-Krise.

Nachdenklich blickt er auf einen seiner 3D-Drucker, der fiepsend piepsend seine Arbeit verrichtet. Heraus kommt ein Plastikrahmen, der wenig später weiterverarbeitet wird. Ungefähr jede Stunde, so Saßmannshausen, kann man einen Rahmen abnehmen und einen neuen beginnen. Momentan laufen in seinem Büro bis zu vier Geräte parallel, erzählt er.

Aber nicht nur seine Maschinen drucken momentan fast pausenlos, sondern auch die von fast zehn oberbergischen Makern, so die interne Bezeichnung der 3D-Druck Enthusiasten. Sie und er haben sich zur Initiative „Print2Help“ zusammengeschlossen. Wir arbeiten deutschlandweit, so Saßmannshausen, der auch gleichzeitig der Gründer der Initiative ist. Die Visiere werden überall gebraucht. Erst heute habe er wieder eine Anfrage über 40 Stück aus einem Krankenhaus des Nachbarkreises erhalten. Wenn wir Kapazitäten nicht abdecken können, greifen wir auf übergeordnete Initiativen, wie zum Beispiel makervsvirus.org zurück oder arbeiten diesen zu. Man kenne keine Grenzen, wenn es um Hilfe gehe. Eigentlich betreibe er, neben seinem Hauptberuf als Konstrukteur, noch einen kleinen Onlineshop für 3D-Drucker und eine Webseite rund um das Thema 3D-Druck. Vor einem halben Jahr hätte er nie daran gedacht selbst einmal Visiere gegen Tröpfcheninfektionen herzustellen. Doch der Bedarf ist riesig und steigt stetig.

Rund 130 Mitglieder zählt seine Facebook-Gruppe „Print2Help – Maker gegen das Corona-Virus“ momentan und täglich werden es mehr. Neben Tipps und Tricks zur Herstellung und Montage kommen auch hier immer mal wieder Hilferufe rein, weil der Drucker streikt oder das Material zu Ende ist. In diesem Fall helfen sich die Mitglieder untereinander oder man kennt einen, der einen kennt. Ein gut funktionierendes Netzwerk eben.
Aber es bleiben ja noch die Helfer hier vor Ort. Klaus Korte, ebenfalls aus Bergneustadt und ein guter Freund von Ulrich Saßmannshausen, kümmert sich dabei um die Koordination und Kommunikation der oberbergischen Maker. Er besorgt alles was benötigt wird und steht bei Problemen mit Rat zur Seite. Dabei greift er auch schon mal auf das Lager von Ulrich Saßmannshausens Firma FabberFactory zurück.

Materialien sind teils schwer zu bekommen

Um ein Behelfsvisier herzustellen braucht es neben dem 3D gedruckten Rahmen noch weitere Bestandteile. So sind zum Beispiel eine Klarsichtscheibe und ein Lochbandgummi essentieller Bestandteil der Konstruktion. Die Grundidee dafür stammt übrigens von einem tschechischen 3D-Druck Hersteller und wurde von einem Unternehmen im bayrischen Wald auf die deutschen Bedürfnisse angepasst. Dabei erfolgte die Abstimmung im engen Kontakt mit dem Katastrophenschutzzentrum des DRK in Cham.

„Für die Klarsichtscheiben eignen sich am besten Deckblätter für Spiralbindegeräte“, so Korte, „und für die Kopfbefestigung verwenden wir Lochbandgummibänder, so kann das Visier noch in seiner Größe variabel eingestellt werden.“ Doch an die diese Bestandteile heranzukommen ist manchmal gar nicht so einfach.

Oft sind auch die Läger der Zulieferer schon leergekauft oder diese haben aufgrund der Krise keinen Nachschub mehr bekommen. Da hilft es durchaus, dass man sich frühzeitig mit der Initiative von Miriam Neufurth zusammengeschlossen hat, welche bereits seit einigen Tagen erfolgreich die Mund-Nasen-Masken näht. So konnten wir einen kurzzeitigen Engpass von Lochgummiband erfolgreich umfahren erzählt Korte. Und das tollste ist, dass die Spender der Materialien noch nicht einmal etwas für das Material oder das Porto haben wollten. Sein Dank gilt jetzt schon an die zahlreichen Unterstützer im Hintergrund, die, auch wenn nicht aktiv, ihren Teil dazu beigeben.

Foto: Ulrich Saßmannshausen

Wenn auch Sie die Initiative unterstützen möchten oder Bedarf an den Behelfsvisieren haben, dann können Sie sich jederzeit unter [email protected] an die Initiative wenden. Alternativ wird momentan unter der Internetadresse https://print2help.selbstgedruckt.de an einem Webauftritt gearbeitet.

Foto: Ulrich Saßmannshausen
Foto: Ulrich Saßmannshausen

Quelle: SELBSTgedruckt/Ulrich Saßmannshausen

Fotos: Ulrich Saßmannshausen

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche verantwortet die Redaktion Oberberg-Nachrichten. Sie schreibt als Journalistin über regionale Themen und besondere "Landmomente". Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist telefonisch unter 02261-9989-885, oder über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected] - Redaktionssprechstunde: Mo, Di und Do von 10-12 Uhr.

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