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Schulpsychologischer Dienst unterstützt Schulen

Integration von Flüchtlingskindern

Oberbergischer Kreis – „Unterstützende Beratung ist für die Lehrerinnen und Lehrer in dieser neuen Situation besonders wichtig“, sagt Bernd Christ, Leiter des Schulpsychologischen Dienstes. Der Oberbergische Kreis stärkt ab August 2016 die Schulen, die Flüchtlingskinder unterrichten. Der Schulpsychologische Dienst wird drei Jahre lang zusätzliche Beratungsstunden für Lehrerinnen und Lehrer bereitstellen. Die Diplom-Psychologin Carolin Stolz übernimmt dieses Aufgabengebiet für Schulen im Oberbergischen und hat dafür eine zusätzliche halbe Stelle erhalten. „Ich werde mein Wissen als Schulpsychologin einbringen und dabei auch die Erfahrungen der Lehrerinnen und Lehrer, die diese in den Schulklassen gewonnen haben, einbeziehen“, sagt die 39-Jährige.

Mit Beginn der steigenden Zuwanderungszahlen im vergangenen Jahr stehen Lehrerinnen und Lehrer verstärkt vor der Herausforderung, Flüchtlingskinder – die zu Beginn kaum Deutsch verstehen – in ihre Schulklassen zu integrieren. „Viele dieser Familien aus Syrien, dem Irak und Afghanistan haben auf ihrer Flucht Schreckliches erlebt und einige sind traumatisiert. Sie sind fremd hier, einige Kinder besuchen zum ersten Mal in ihrem Leben eine Schule. Diese Kinder und Jugendlichen, aber auch ihre Lehrerinnen und Lehrer müssen in dieser neuen Situation im Schulalltag unterstützt werden“, sagt Bernd Christ, Leiter des Schulpsychologischen Dienstes des Oberbergischen Kreises.

Klare Regeln und feste Abläufe in der Schule vermitteln Verlässlichkeit

Neben dem regelmäßigen Austausch mit Lehrkräften im Kreisgebiet und Einzelfallberatungen für Familien beim Schulpsychologischen Dienst, wird Carolin Stolz mindestens einmal pro Quartal interessierte Lehrkräfte im Oberbergischen mit einem Workshop zusammenbringen. Dort können sich die Pädagogen über ihre Unterrichtsmethoden und Angebote für Flüchtlingskinder austauschen und auch ihre Sorgen und Fragen einbringen. „Bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung muss eine Reizüberflutung vermieden werden. Das ist nicht so einfach, denn für sie und ihre Familien ist alles neu hier – der Wohnort, die fremde Kultur und die Sprache. Wir raten daher, in der Schule klare Strukturen zu schaffen und wenige, doch wiederkehrende Angebote zur Integration zu machen. Mit klaren Regeln und festen Abläufen bietet Schule diesen Kindern und Jugendlichen eine Verlässlichkeit, die sie durch ihre Fluchterfahrung teilweise nicht mehr kennen.“ Die oberbergischen Schulen integrieren die neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen auf unterschiedliche Art und Weise. In den Grundschulen werden die Kinder in der Regel auf die einzelnen Klassen aufgeteilt. In den weiterführenden Schulen gibt es häufig sogenannte Seiteneinsteigerklassen, in denen Deutsch als Zweitsprache gelehrt wird.

Bernd Christ und Carolin Stolz vom Schulspsychologischen Dienst des Oberbergischen Kreises, unterstützen, dass sich Lehrkräfte, die Flüchtlinge unterrichten, regelmäßig darüber austauschen.(Foto: OBK)
Bernd Christ und Carolin Stolz vom Schulspsychologischen Dienst des Oberbergischen Kreises, unterstützen, dass sich Lehrkräfte, die Flüchtlinge unterrichten, regelmäßig darüber austauschen.(Foto: OBK)

In Fächern wie Sport, Kunst oder Musik werden alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet. Mit spielerischen Aktionen, die leicht verständlich sind, wird zudem der Teamgeist gefördert. „In der Grundschule lernen viele Kinder recht schnell im Kontakt mit anderen Kindern. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind gerade die Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen gefordert Deutsch zu unterrichten. Viele Lehrkräfte im Oberbergischen haben damit wenig Erfahrung. Viele der neuen Schülerinnen und Schüler wollen schnell ganz viel lernen und sich integrieren. Das zumindest wird häufig aus den Schulen an mich herangetragen“, sagt Carolin Stolz. Der Schulpsychologische Dienst initiiert daher entsprechende Angebote für Schulen, wie zum Beispiel Fachvorträge, die für den Umgang mit Flüchtlingskindern sensibilisieren. Zusätzlich wird das Netzwerk der Lehrkräfte verstärkt.

Eltern von Flüchtlingskindern sollen stärker einbezogen werden

„Beim Thema Schule sollten Entscheidungen nicht einfach über die Eltern hinweg getroffen werden, etwa weil es Probleme mit der Verständigung gibt. Viele Kinder und Jugendliche in Flüchtlingsfamilien übernehmen bereits viel Verantwortung, weil sie über Schule schneller integriert werden, als ihre Eltern und häufig als Übersetzer agieren. Das ist oft eine große Belastung und den Eltern wird damit Verantwortung entzogen. Sie können ihre Elternrolle als Verantwortliche, Vorbilder und Fürsorgende nicht mehr wahrnehmen“, sagt Carolin Stolz. Die Diplom-Psychologin sieht ihr wichtigstes Ziel darin, die Schulen im Oberbergischen zu erreichen und so auszuloten, welche Methoden und Angebote greifen, um Flüchtlingskinder – und ihre Familien – schnellstmöglich zu integrieren. „Schule bietet dabei große Chancen, wir müssen Sie bestmöglich nutzen!“

Veröffentlicht von:

Aline Walter
Aline Walter ist Redakteurin und kaufmännische Mitarbeiterin bei ARKM. Als Reporterin versorgt die Studentin des Medienmanagements sowie der Unternehmensführung die Oberberg-Nachrichten täglich mit aktuellen Nachrichten und Berichten aus der Region.

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