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Modellprojekt „Inklusion in der Jugendförderung“ ist abgeschlossen

Unterstützt durch Akteure aus Jugendarbeit und Elternschaft hat sich das Kreisjugendamt zwei Jahre lang am Modellprojekt „Inklusion in der Jugendförderung“ beteiligt

Oberbergischer Kreis – Das Land Nordrhein-Westfalen hat in den vergangenen zwei Jahren ein Modellprojekt zur „Inklusion in der Jugendförderung“ durchgeführt. Das Kreisjugendamt hat sich neben fünf weiteren Jugendämtern am Projekt beteiligt und experimentell erprobt, wie Inklusion in der Jugendarbeit und Jugendförderung aussehen kann. “Wir wollten ein größeres Bewusstsein für das Thema streuen und haben uns gefragt, wie unsere Angebote jeden erreichen können. Schließlich haben wir uns entschieden auf vier Feldern zu experimentieren,“ erklärt Jochen Schacht vom Kreisjugendamt die Teilnahme.

In Zusammenarbeit mit Anbietern aus der Jugend- und Freizeitarbeit wurden Konzepte für drei inklusive Angebote entwickelt und umgesetzt. Unter dem Titel „Eltern als Akteure“ kamen außerdem Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Handicap zu Wort und äußerten als „Experten“ Anregungen, Kritik und Wünsche. Einen Rückblick auf die gemeinsame Arbeit warfen die Beteiligten bei der offiziellen Abschlussveranstaltung des Modellprojekts für den Oberbergischen Kreis. In einer Gesprächsrunde tauschten sich die Mitglieder der einzelnen Projektgruppen über ihre Erfahrungen aus.

„Durch die Teilnahme habe ich einen ganz anderen Blickwinkel auf das Thema Inklusion bekommen“, stellt Christel Kirsch, Mitarbeiterin der Jugend- und Begegnungsstätte „JUBS“ Waldbröl, fest. Die konzeptionelle Aufstellung der „JUBS“ wurde so überarbeitet, dass die Belange und Bedürfnisse aller Kinder und Jugendlichen Berücksichtigung finden. „Wir wollen allen Schülern weiterhelfen. Das Jugendamt bietet uns ein Netzwerk und steht als Anlaufstelle bereit“, sagt Christel Kirsch. Die Ausrichtung zu einem inklusiven Jugendzentrum wurde in einem Workshop erarbeitet. Hierfür hat der Internationale Bund Waldbröl mit der Roseggerschule Waldbröl zusammengearbeitet.

Die Stadt Hückeswagen hat in Kooperation mit der Lebenshilfe Rhein-Wupper zwei Mal das „Kinderdorf Hückeswagen“ veranstaltet. In den Ferien haben hier zuletzt 100 Kinder mit und ohne Handicap gelebt, in Werkstätten gearbeitet und die Geschicke „ihres“ Dorfes gestaltet. „Unser Kinderdorf hatten wir schon zwei bis drei Jahre im Hinterkopf. Das Projekt haben wir deshalb als Chance für die Umsetzung begriffen“, berichtet Andrea Poranzke, Leiterin des Jugendzentrums Hückeswagen. Ein Film über das Kinderdorf bildet das gelungene Miteinander der Kinder mit und ohne Handicap ab.

Heike Haude (Kreisjugendamt, v.l.), Julia Radder (feeria), Jochen Schacht (Kreisjugendamt), Christel Kirsch (Jugend- und Begegnungsstätte Waldbröl), Andrea Poranzke, Leiterin Jugendzentrum Hückeswagen, Karin Kohl (Kreisjugendamt), Susanne Schlichtmann (Projekt: „Eltern als Akteure“) und Bernd Selbach (Landschaftsverband Rheinland) - Foto: OBK.
Heike Haude (Kreisjugendamt, v.l.), Julia Radder (feeria), Jochen Schacht (Kreisjugendamt), Christel Kirsch (Jugend- und Begegnungsstätte Waldbröl), Andrea Poranzke, Leiterin Jugendzentrum Hückeswagen, Karin Kohl (Kreisjugendamt), Susanne Schlichtmann (Projekt: „Eltern als Akteure“) und Bernd Selbach (Landschaftsverband Rheinland) – Foto: OBK.

Mit 25 Jahren Erfahrung stiegen die Macher von „feeria“ in das Modellprojekt ein. Unter dem Namen „Sportcamp“ hat der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Oberbergischer Kreis schon vorher zu zweiwöchigen Ferienfreizeiten geladen. „Integration haben wir schon gelebt. Mit dem Projekt haben wir uns jetzt für die Inklusion geöffnet“, sagt Julia Radder vom „feeria“- Team. Nach der Neuausrichtung will man auch andere Träger mit einem Dokumentarfilm vom Inklusionsgedanken überzeugen. „Wir wollen andere Jugendleiter dazu ermutigen, inklusiv zu arbeiten und teilen unsere Erfahrungen gern“, berichtet Radder.

Worauf kommt es bei inklusiven Angeboten aus Sicht der Betroffenen an? Diese Frage stellte sich die achtköpfige Gruppe „Eltern als Akteure“. „Wir haben uns als Navigator verstanden“, sagt Teilnehmerin Susanne Schlichtmann, die auch an der Elterninitiative für besondere Kinder beteiligt ist. „Ein Perspektivenwechsel und eine Sensibilisierung der Träger für Inklusion ist wichtig“, ist sich Susanne Schlichtmann sicher und hofft darauf, dass Inklusion in allen gesellschaftlichen Bereichen selbstverständlich wird.

Alle Beteiligten wollen mit ihren Einzelprojekten dafür sorgen, dass Inklusion auch weiterhin in der Jugendarbeit und Jugendfreizeitarbeit gelebt wird. Sie hoffen darauf, dass sich mehr Anbieter für die Thematik öffnen. Die Verbindung von Jugendarbeit und Inklusion steht auch beim Kreisjugendamt weiter im Fokus. „Wir wollen das Thema weiter hochalten und mit unseren Erfahrungswerten auf die Menschen und die heute schon aktiven Jugendgruppen zugehen. Gerne stehen wir ihnen beratend zur Seite, wenn es darum geht Projekte anzustoßen,“ geht Jochen Schacht auf die Zeit nach dem Projektende ein. „Inklusion ist leicht, wenn man sich traut“, so sein Fazit.

Das Modellprojekt „Inklusion in der Jugendförderung“ wurde aus Landesmitteln finanziert. Insgesamt 65.000 € flossen in die Projekte für den Oberbergischen Kreis. Neben dem Kreisjugendamt des Oberbergischen Kreises haben sich die städtischen Jugendämter Köln, Bonn, Siegen und Gütersloh am Modellprojekt beteiligt.

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