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Botox gegen Spastik: Wie das Nervengift Schlaganfallpatienten helfen kann

Botox kennen die meisten nur aus der plastischen Chirurgie, wo es zur Faltenglättung eingesetzt wird. Dass das Nervengift auch Schlaganfall-Patienten mit Spastik helfen kann, ist hingegen den wenigsten bekannt. Auf dem Weltschlaganfall-Tag am 29. Oktober referiert Dr. Ebke, Chefarzt der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, über diese Therapiemöglichkeit. Sein Vortrag ist Teil der Veranstaltung „Schlaganfall – und wie geht es weiter?“, die von 17 bis 20 Uhr im Kreiskrankenhaus Waldbröl stattfindet.

(Sponsorenpool-Rotation: ARKM.marketing)

Nümbrecht – Mehr als 200. 000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall. Die häufigste Beeinträchtigung nach Schlaganfall ist die Lähmung, die in 10-13% der Fälle zu einer spastischen Bewegungsstörung führt. Dabei handelt es sich um eine unkontrollierte Muskelverspannung der Gliedmaßen, meist Arme und Beine. Die Betroffenen können nicht mehr gehen und sind zum Teil an den Rollstuhl gefesselt. Heilbar ist die Spastik nicht, jedoch gut behandelbar. Untersuchungen aus Schweden wie auch aus England haben unlängst gezeigt, dass eine therapeutisch wie medikamentöse Nachbehandlung Patienten dabei hilft, deutlich an Mobilität hinzuzugewinnen. Wie sich die spastische Lähmung bei Schlaganfallpatienten erfolgreich therapieren lässt, erklärt Dr. Markus Ebke, Chefarzt Neurologie der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, in der Vortragsreihe „Schlaganfall – und wie geht es weiter?“. Die Veranstaltung am Weltschlaganfall-Tag im Kreiskrankenhaus Waldbröl richtet sich vor allem an Betroffene und deren Angehörige.

Dr. Markus Ebke (Foto: Dr. Becker Klinikgesellschaft mbH & Co. KG)
Dr. Markus Ebke (Foto: Dr. Becker Klinikgesellschaft mbH & Co. KG)

Ein plötzlicher Einschnitt im Leben

Ein Schlaganfall hat für Betroffene oft weitreichende Folgen: Wie vom Blitz getroffen fühlen sie sich aus ihrem Alltag herausgerissen und sind plötzlich nicht mehr in der Lage, ihr Leben selbständig zu gestalten. Alltägliche Aufgaben wie Toilettengänge, sich waschen, ankleiden oder essen sind meist nicht mehr ohne fremde Hilfe möglich. Eine besonders starke Bewegungseinschränkung tritt bei Schlaganfallpatienten mit spastischen Lähmungen auf. „Diese resultieren aus Schädigungen des Zentralen Nervensystems, also Hirn- und Rückenmark“, erklärt Dr. Markus Ebke.

Der Weg zurück zur Selbständigkeit

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Heilen lässt sich die Spastik zwar nicht, doch es gibt Therapiemöglichkeiten. „Als besonders effektiv bei der Therapie spastischer Muskelverkrampfungen hat sich das Nervengift Botulinumtoxin, erwiesen“, erklärt Dr. Ebke. Botulinumtoxin ist das stärkste, natürlich vorkommende Nervengift der Welt. Für die medizinische Behandlung wird es stark verdünnt eingesetzt und gezielt in den betroffenen Muskel gespritzt. „Hier bewirkt das Nervengift, dass ein bestimmter Botenstoff, der Signale zwischen Muskel und Nervenzellen steuert, blockiert wird. So kann die Botschaft der dauerhaften Anspannung nicht mehr an den Muskel übertragen werden und er entspannt sich“, erklärt der Chefarzt. Wirksam sei die Injektion in etwa für eine Dauer von 3-4 Monaten und muss anschließend wieder aufgefrischt werden.

Wichtig sei, so der Chefarzt, die Therapie rechtzeitig zu beginnen. Denn nur so ließen sich auch langfristige Folgeschäden wie z. B. Fehlhaltungen, Fehlstellungen der Gelenke oder Muskelverkürzungen vermeiden. Außerdem rät er zu einem interdisziplinären Behandlungsprogramm, das die Vielschichtigkeit der Spastik berücksichtig und Betroffenen zu einem möglichst hohen Grad an Selbständigkeit, Mobilität und Schmerzfreiheit verhilft: „Für eine gezielte und nachhaltige Therapie ist es notwendig, den Patienten konsequent ein Konzept aus Physio- und Ergotherapie mit Hilfsmitteln und vor allem die neuen medikamentösen Therapieansätze anzubieten. Damit ergreift man gerade für Oberberg die Chance, den Menschen nach Schlaganfall mit nachfolgender Spastik eine Perspektive für ein barrierefreies Leben zu eröffnen“, erläutert Dr. Ebke.

Vernetzte Versorgung für Spastik- und Schlaganfallpatienten

Die neurologisch-orthopädische Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist auf die Behandlung von Störungen des Bewegungsapparates und die Schlaganfalltherapie spezialisiert. Seit 20 Jahren werden hier Patienten mit Spastik nach Schlaganfall im Rahmen des stationären Reha-Angebots therapiert. Die Therapie besteht aus verschiedenen Therapiebausteinen, u. a. Physio- und Ergotherapie, einer medikamentösen Therapie und Hilfsmittelversorgungen. Ambulante Patienten können die Angebote der Bewegungsstörungsambulanz wahrnehmen. Im Juli 2013 eröffnete in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ein regionales Partnerbüro der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, in dem Patienten und Angehörige sich beraten lassen können. Seit einigen Jahren arbeitet die Klinik außerdem mit regionalen Selbsthilfegruppen zusammen, um Patienten z. B. für die Nachsorge hilfreiche Kontakte zu vermitteln. „Unser Ziel ist es, durch eine integrierte Versorgung in enger Kooperation mit dem Klinikum Oberberg, niedergelassenen Therapeuten und Kollegen eine qualitativ hochwertige Versorgung für die Patienten in unserer Region zu erreichen“, betont Dr. Ebke.

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