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So pflanzt du dein eigenes Cannabis an: Legal!

Trotz CBD-Hype und kommender Cannabis-Legalisierung: Der Anbau von Cannabis ist strenggenommen verboten. Aber mit einem Antrag beim Bundesamt für Arneimittel und Medizinprodukte (BfArM), kann man trotzdem Cannabis anbauen – wenn der Antrag erfolgreich war. Wir erklären wie es geht!

Nicht jeder kann beim BfArM einen Antrag für eine Genehmigung von Cannabis-Anbau stellen. Wer selbst Cannabis anbauen möchte, muss nachweisen können auch selbst einen Bedarf für medizinisches Cannabis zu haben. Hierfür ist eine Bescheinigung des Arztes nötig. Wer diese Bescheinigung hat, der kann den kostenpflichtigen Antrag auf Cannabis-Anbau beim BfArM stellen. Im Antrag muss nachgewiesen werden, warum das Cannabis nicht aus einer Apotheke bezogen werden kann und der Anbau deswegen nötig ist.

Der Anbau von Cannabis ist dann relativ leicht. Denn Cannabis ist eine recht anspruchslose Pflanze und wer Cannabis autoflowering Samen verwendet, der muss sich selbst kaum um die Pflanzen bis zur Ernte kümmern.

Wie wird Deutschland mit Cannabis versorgt?

In Deutschland wird (offiziell) so gut wie kein Cannabis angebaut. Der gesamte Bedarf an medizinischem Cannabis wurde bis vor kurzem daher allein aus Importen gedeckt. Seit der Lockerung der Cannabis-Gesetzgebung und der Einrichtung einer Cannabis-Agentur beim BfArM 2017 dauerte es bis 2019, bis das BfArM zwei Unternehmen mit dem Anbau von medizinischem Cannabis beauftragte.

Das Auftragsvolumen ist dabei relativ gering. Die beiden Firmen dürfen jeweils in den nächsten vier Jahren lediglich 1,8 Tonnen medizinisches Cannabis anbauen. Mit diesem Cannabis soll der Bedarf von schwerkranken Patienten, die ihr Leiden mit dem Konsum von Cannabis behandeln können, gedeckt werden. Der Präsident der Arzneimittelbehörde legt großen Wert darauf, dass das angebaute Cannabis von höchster Qualität ist und den Ansprüchen der Medizin genüge.

Eine der beiden Firmen, die mit dem Anbau des Cannabis beauftragt wurden, ist eine Tochterfirma des kanadischen Konzerns Aurora. Im traditionellen Chemiedreieck Leuna-Halle-Bitterfeld soll im Herbst 2020 mit der ersten Ernte begonnen werden.

Die Firma Aurora hat viel Erfahrung im Anbau von medizinischem Cannabis, weil es den kanadischen Markt versorgt. Seitdem in Kanada die wahrscheinlich liberalste Cannabis-Gesetzgebung verabschiedet wurde, entwickelt sich das Land im Norden Amerikas zur Cannabis-Hochburg der Welt. Nicht nur CBD-Produkte sind dort frei erhältlich, wie in Deutschland auch, sondern auch ganz normales Cannabis.

Wie ist die Rechtslage von Cannabis in Deutschland?

Anders als in Kanada ist in Deutschland Cannabis nicht frei verfügbar. Anders sieht es bei den CBD-Produkten aus. In der Cannabis-Pflanze befinden sich vor allem zwei Inhaltsstoffe, die für ihre Wirkung verantwortlich sind. Neben dem THC, das für das „High“ verantwortlich ist, sorgt das Cannabidiol oder CBD für die typische Entspannung. Anders als das THC ist das CBD nicht psychoaktiv und unterliegt deswegen nicht den Verkaufsbeschränkungen wie normales Cannabis.

Deswegen findet man CBD-Produkte wie Blüten, Öl, oder Samen auch schon überall in großen Drogerien, in Reformhäusern oder auch Online. Produkte mit CBD werden immer mehr zum Mainstream und deswegen ist CBD nicht nur in reiner Form, sondern auch in anderen Produkten zu finden, wie in Kosmetika.

Wie teuer ist ein Antrag auf privaten Cannabis-Anbau?

Wer beim BfArM einen Antrag auf Cannabis-Anbau stellt, muss dafür eine Gebühr von 75 Euro entrichten. Wenn nötig, kann man diesen Betrag in Raten zahlen, eine Ermäßigung erhalten oder sich die Gebühr erstatten lassen.

Wer einen Steuerbescheid oder einen Leistungsnachweis von Arbeitsagentur oder Jobcenter vorlegen kann, der hat eine Chance auf eine Gebühren Minderung.

Es ist nicht leicht, den Antrag beim BfArM genehmigt zu bekommen. Denn trotz der schlechten Versorgungslage mit medizinischem Cannabis in Deutschland, ist es in den meisten Fällen sehr wohl möglich, medizinisches Cannabis in der Apotheke regelmäßig zu bestellen und zu erhalten. Nur wer aus welchem Grund auch immer die Möglichkeit nicht hat, oder sich das Cannabis aus der Apotheke nicht leisten kann, der kann erwarten, dass der Antrag positiv beschieden wird.

Weil die Versorgung mit medizinischem Cannabis in Deutschland trotz der schwierigen Versorgungslage von behördlicher Seite als gesichert angesehen wird und nun auch in Deutschland selbst Cannabis produziert wird, ist es sehr schwer einen Antrag auf Eigenanbau durchzusetzen. Die besten Chancen hierfür haben vor allem Geringverdiener mit einer chronischen Krankheit, die mit Cannabis behandelt werden sollte. Wer in seinem Antrag darlegen kann, dass er sich das Cannabis aus einer Apotheke nicht leisten kann, der muss wegen seiner schweren Krankheit das Cannabis selbst anbauen – mit dieser Argumentation stehen die Chancen am besten für einen erfolgreichen Antrag.

Welche Hürden gibt es im Antrag selbst?

Wer es probieren möchte und einen Antrag stellt, steht als erstes vor der Herausforderung einen Sachverständigen für den Anbau von Cannabis zu präsentieren, der gefordert wird. Wer bereits Erfahrungen durch den illegalen Anbau von Cannabis vorweisen kann, der kann dies im Antrag angeben und darauf hinweisen, dass eine frühere Therapie erfolgreich war. Sorge muss man nicht haben, wenn man zum Zeitpunkt des Antrags kein Cannabis anbaut. Eine andere Möglichkeit ist eine entsprechende Fortbildung vorzuweisen. Den eigenen Arzt oder Apotheker als Sachverständigen vorzuweisen wird dagegen nicht erfolgreich sein.

Ein weiteres Problem könnte die Frage nach dem Anbau-Ort sein. Die Arzneimittelbehörde fordert einen Raum, der vor dem Zugriff durch unberechtigte Dritte auf die Pflanzen schützt. Das heißt nicht, dass man sein Feld mit hohen Stacheldrahtzäunen umgeben muss, wie man vielleicht denken könnte. Es reicht beispielsweise sein Wohnzimmer als einen geeigneten Raum zu bezeichnen, um dort die Cannabis-Pflanze anzubauen. Besser wäre ein nur vom Patienten genutztes Badezimmer oder ein Grow-Schrank oder -Zelt.

Außerdem muss der Antragssteller sicherstellen können und dies nachweisen, dass der Raum einbruchssicher ist. Hierfür eigenen sich im Erdgeschoss Gitter vor dem Fenster oder spezielle Fensterbeschläge, die das Aufbrechen des Fensters unmöglich machen. Daher gilt auch die Faustregel für die Antwort auf die Frage, in welchem Stockwerk sich das Anbauzimmer befindet auch: Je höher desto besser – am besten auf dem abschließbaren Dachboden.

Die letzte große Hürde für einen erfolgreichen Antrag ist die Angabe der Pflanzen. Hier ist es am besten, wenn man darauf hinweist, dass man die Sorte anbaut, die das BfArM nach einem entsprechenden Antrag genehmigt und diese aus dem Ausland importieren möchte. Wenn der Anbau der Pflanzen legal ist, ist auch der Import der Samen legal.

Mehr und ausführliche Infos für einen Antrag auf Cannabis-Anbau und wie viele erfolgreiche Anträge es in Deutschland bisher gab, findet man hier.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche verantwortet die Redaktion Oberberg-Nachrichten. Sie schreibt als Journalistin über regionale Themen und besondere "Landmomente". Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist telefonisch unter 02261-9989-885, oder über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected] - Redaktionssprechstunde: Mo, Di und Do von 10-12 Uhr.

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Ein Kommentar

  1. Es gibt derzeit in Deutschland keine aktuellen (privaten) Erlaubnisinhaber für Cannabiseigenanbau außer den drei Firmen, die im Rahmen der Ausschreibung des BfArM/Cannabisagentur offiziell beauftragt worden sind.

    Mein Eigenanbau-Antrag hat vom Antrag über den Widerspruch nach Ablehnung bis hin zur eingereichten Klage beim Verwaltungsgericht eine zeitliche Strecke von nahezu drei Jahren absolviert, ohne bis dato gerichtlich entschieden worden zu sein.

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