Nach drei Auswärtsspielen in Folge (SC Magdeburg, Rhein-Neckar-Löwen und SC DHfK Leipzig), von denen unsere VfL-Handballer jeweils ohne Erfolgserlebnis heim ins Oberbergische kehrten, steht nun am kommenden Sonntag (17:15 Uhr) endlich noch einmal ein Heimspiel auf dem Programm für den VfL Gummersbach. Dennoch gab es – trotz der 25:27-Niederlage – am Ostermontag in Leipzig neue Hoffnung im Abstiegskampf, denn die Art und Weise, wie sich der VfL, der ohnehin schon auf den verletzten Kapitän Christoph Schindler verzichten musste, nach dem Schock der frühen Verletzung von Julius Kühn in die Partie zurückgekämpft haben, sollte der Mannschaft neues Selbstvertrauen geben. Und das wird gegen den TSV Hannover-Burgdorf unbedingt nötig sein, denn in diesem Heimspiel muss der VfL, der auf den 14. Tabellenplatz zurückgefallen ist, unbedingt punkten, wenn er nicht endgültig auf einen Abstiegsplatz rutschen will.

Es muss auch ohne Top-Torschütze Julius Kühn gehen

VfL-Trainer Sead Hasanefendic kehrt verständlicherweise mit gemischten Gefühlen aus Leipzig nach Gummersbach zurück. Vor allem die Verletzung von Top-Torjäger und Nationalspieler Julius Kühn wiegt schwer. Ein Teilabriss des Innenbandes im linken Knie ist bereits die zwei schwere Verletzung Kühn in dieser Saison. Sechs Wochen Pause sind mindestens zu befürchten, eine Rückkehr noch in dieser Saison erscheint zumindest fraglich. „Die Verletzung ist noch schlimmer als beim letzten Mal, da es sich um sein Sprungbein handelt“, so Hasanefendic, der allerdings den Profisport bestens kennt und genau weiß, dass verletzungsbedingte Ausfälle quasi zum Geschäft gehören: „Natürlich ist das bitter, aber wir können es nicht mehr ändern. Unser überschaubarer Kader wird somit noch enger zusammenrücken müssen.“

Einen glänzenden Anfang haben die Jungs am Sonntag in Leipzig gemacht, als das Team ohne Kapitän Christoph Schindler und ohne den verletzten Kühn das Spiel trotz eines deutlichen Rückstandes fast noch drehte. „Wir waren kurz vor Schluss in Führung und hatten die Chance. Dann war es ein Nervenspiel, in dem Psyche, Physis aber auch die Halle sowie einige Schiedsrichterentscheidungen eine Rolle gespielt haben“, so Hasanefendic. Wie dem auch sei. Die Partie ist verloren, aber die Leistung gibt ausreichend Grund zur Zuversicht. Simon Ernst zum Beispiel stand 60 Minuten auf der Platte und spielte sehr stark. Kévyyn Nyokas, Evgeni Pevnov und Tobias Schröter, um nur einige Namen zu nennen, überzeugten ebenfalls spielerisch und kämpferisch.

Hasanefendic: „Müssen den starken kämpferischen Moment mitnehmen“

„Vor allem nach dem Wechsel haben wir sehr stark verteidigt und auch offensiv überzeugt“, so der Coach. Akteure wie Robert Barten und Florian Baumgärtner überzeugten zudem nach den Umstellungen auf Anhieb bei ungewohnten Deckungsaufgaben. Nationaltorhüter Carsten Lichtlein war ebenfalls zur Stelle. Das Team hat im Kollektiv funktioniert und sich gegenseitig unterstützt und gepusht. „Diesen starken kämpferischen Moment müssen wir in die schweren nächsten Wochen mitnehmen. Das Engagement wird regelmäßig über Sieg und Niederlage entscheiden“, so der erfahrene Übungsleiter weiter. Dies werde auch am Sonntag gegen Hannover der Fall sein, zumal man sich nicht von den zuletzt schwächeren Ergebnissen der Niedersachsen blenden lassen werde: „Das ist eine Topmannschaft, die alles investieren wird.“ Dies wird beim VfL ebenfalls der Fall sein, und Hasanefendic hofft auch auf die Unterstützung der tollen VfL-Fans: „Wir müssen zusammen alles geben, schließlich geht es um den VfL Gummersbach.“

Mit dem TSV Hannover-Burgdorf gibt zwar die Mannschaft ihre Visitenkarte in der SCHWALBE arena ab, die in der Rückrunde bisher vergeblich auf ein Erfolgserlebnis wartete, aber das diese Partie alles andere als ein Selbstläufer für den VfL werden wird, zeigen die bisherigen Partien zwischen diesen beiden Mannschaften. Schließlich lieferten sich der VfL und die Schützlinge des jungen Trainers Jens Bürkle in der Vergangenheit meist Duelle auf Augenhöhe, die oft Remis ausgingen, oder bei denen oft ein einziges Tor über Sieg oder Niederlage entschied. Und in der Hinrunde hatte am Ende die Mannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt am Ende mit 29:26 Grund zum Jubeln. Und dass die Hannoveraner, die am vergangenen Wochenende gegen die „Mannschaft der Stunde“ SC Magdeburg eine 23:28-Heimniederlage kassierten, trotz der Negativserie auch auswärts jede Mannschaft an den Rand der Niederlage bringen können, bewiesen sie bei der hauchdünnen und am Ende unglücklichen 26:27-Niederlage in der Kieler Sparkassenarena gegen den THW Kiel.

Gegner aus Hannover-Burgdorf steht in der Tabelle unter Wert

Und wenn man den personellen Kader des TSV betrachtet, dann ist das Abrutschen auf den 10. Tabellenplatz (22:30) ohnehin nicht nachvollziehbar. So ist allein die erste Sieben des Vorjahressiebten mit jeder Menge Klassenspielern besetzt, wobei Trainer Jens Bürkle auf vielen Positionen sogar mehrere Topspieler zur Auswahl und oft die Qual der Wahl hat. Hinzu kommt, dass die Niedersachsen mit einer eingespielten Mannschaft in die Saison gingen, denn vor der Saison gab es keinen Abgang eines Leistungsträgers – und im Umkehrschluss wurden mit dem wurfgewaltigen Rückraumlinken Fabian Böhm und dem dänischen Weltklasse-Linksaußen Casper Mortensen noch zwei namhafte Verstärkungen an Land gezogen. Zurück zur Aufstellung der ersten Sieben: Im Tor ist Ex-Nationaltorhüter Martin Ziemer eine sichere Bank, und mit Malte Semisch steht ein weiterer Topmann zwischen den Pfosten.

Den ersten Rückraum bilden Kai Häfner, der auch gegen Magdeburg mit sieben Toren einmal mehr erfolgreichster Werfer des TSV war, Spielmacher Morten Olsen und Fabian Böhm, aber Jens Bürkle hat mit Sven Sören Christophersen, Mait Patrail, Csaba Szücs und Runar Karason noch weitere hochkarätige Spieler in der Hinterhand. Die erste Flügelzange bilden zwar Casper Mortensen und Kapitän Torge Johannsen, aber mit Routinier und TSV-Urgestein Jens Lehnhoff sowie dem jungen Rechtsaußen Timo Kastening stehen auch hier gleichstarke Alternativen bereit. Und auch auf der Kreisläuferposition hat der TSV-Coach die Qual der Wahl, denn neben Nationalspieler Erik Schmidt gehört auch der Norweger Joakim Hykkerud sicherlich zu den torgefährlichsten Kreisläufern in der gesamten Bundesliga.

Allein die Aufzählung dieser Namen dürfte deutlich machen, vor welch schwerer Aufgabe die Schützlinge von Sead Hasanefendic gegen die Niedersachsen stehen. Eine Aufgabe, die – wie bereits erwähnt – nur mit lautstarker Unterstützung der VfL-Fans von den Rängen lösbar erscheint.

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